Gegen die Regeln gedreht

Gegen die Regeln gedreht

Drei experimentelle Kurzfilme aus der Arbeit des Journalisten, Kameramanns und Wahl-Saar- brückers Georg Bense zeigte das Literaturarchiv. Nach fast 50 Jahren sind seine Filme restauriert und auf DVD zu haben.

Im entscheidenden Moment verhinderte der berühmte Vorführeffekt ("Eben hat's doch noch funktioniert?") die Vorführung - mit etwas Verzögerung konnten die frühen Textfilme von Georg Bense dann aber doch noch gezeigt werden: Unter dem Nenner "Wort - Satz - Film" hatte das Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass am Donnerstag in Kooperation mit der Saarbrücker Filmwerkstatt zu einem Film- und Vortragsabend mit dem Fernsehjournalisten, Autor, Regisseur und Kameramann Bense geladen. Anlass war die Publikation "Muster möglicher Filmwelten", die per Buch und DVD die wegweisende Arbeit des ehemaligen "Stuttgarter Filmarbeitsteams" alias "FAT" an der technischen Hochschule (heute Universität) Stuttgart dokumentiert.

Das FAT bestand aus ehemaligen Nachbarskindern, die "gegen die Regeln drehen", "neue Wege einschlagen" und "mit dem Medium experimentieren" (Bense) wollten: dem heutigen Wahl-Saarbrücker Georg Bense, dem Künstler, Drucker und Verleger Hansjörg Mayer und dem Architekten Rainer Wössner. In experimentellen Kurzfilmen setzte sich das Trio mit Sprache und Struktur auseinander und strebte nach einer Visualisierung von Texten, die eine naive Illustrierung überwindet und einen echten Zweiklang zwischen Film und geschriebenem beziehungsweise gedrucktem Wort herstellt. Während das Buch persönliche Stellungnahmen, Dokumente und Fotos beinhaltet, versammelt die DVD die Filme, die Ende der 50-er und Anfang der 60-er entstanden. Seit fast einem halben Jahrhundert wurden sie nicht mehr gezeigt und liegen jetzt in restaurierter und digitalisierter Form vor. Drei dieser filmischen Interpretationen in Schwarzweiß waren nun, von Bense mit knappen Erläuterungen begleitet, im Literaturarchiv zu sehen.

Den Auftakt machte "Der Fisch fliegt steil" über ein Gedicht Claus Bremers, eines Vertreters der visuellen Poesie. Wortgruppenschnipsel, eine Schreibmaschinentastatur, eine Telefonwählscheibe, nächtliche Straßenimpressionen mit Verkehrsschildern und Lichtern - transportiert dieser Film die Welt der Worte in die Welt der Signale, so sprengt "Der Monolog der Terry Jo" in seiner Variation von Textfragmenten und Bildern ebenfalls jegliche lineare Erzählstruktur, beruht jedoch auf einer wahren Begebenheit. Als Vorlage diente hier ein Text von Benses Vater Max, der die wirren Erzählungen eines durch den Mord an seinen Eltern traumatisierten Mädchens in visuelle Lyrik gepackt hatte. "Der plötzliche Spaziergang" wiederum bezieht sich auf eine Erzählung Franz Kafkas und erhebt einen spätabendlichen Ausbruch aus familiären Strukturen und Ritualen zum sensationellen Moment persönlicher Selbstverwirklichung und Befreiung. Hier entfalten unter anderem Doppelbelichtungen und Negativumkehr ihre Wirkung. Ein Publikumsgespräch wollte im Anschluss nicht zustande kommen. Wer mehr über die Entstehungsgeschichte der Filme wissen möchte, dem sei das Buch empfohlen.

Einen weiteren Abend mit Georg Bense veranstaltet die Filmwerkstatt am Donnerstag, 12. Februar, um 20 Uhr im Saarbrücker Kino Achteinhalb .