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Gefährliches Spielzeug

Brüssel. Wenn ein Schwimmreifen Luft verliert oder eine Thermoskanne Asbest enthält, wird es gefährlich. EU-Kontrolleure beanstandeten im vergangenen Jahr 2435 Risiko-Produkte, die schon in Regalen lagen oder dorthin gelangen sollten. Dpa-Mitarbeiterinmarion Trimborn

Der aufblasbare Schwimmreifen in Form einer Ente war hübsch, hatte aber kein Sicherheitsventil. Wenn ein kleines Kind darin sitzen und im Pool oder Meer planschen würde, könnte es das Ventil einfach herausziehen. Dann würde die Luft aus der Ente gehen - und das Kind im Wasser versinken. Gefährlich waren selbst das niedliche pinke Plüschpferd oder die blaue Thermoskanne, deren Innenverkleidung mit Asbest verseucht war. All diese Produkte haben Kontrolleure in Europa im vergangenen Jahr aus dem Verkehr gezogen.

Insgesamt beanstandeten die Prüfer 2014 in den 28 EU-Staaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein 2435 Waren, die auf den Markt kamen. Das waren drei Prozent mehr als im Jahr davor und so viele wie noch nie seit Bestand des EU-Schnellwarnsystems "Rapex", mit dem sich die Staaten untereinander vor gefährlichen Produkten warnen. Mehr als ein Viertel davon waren Puppen, Teddys und andere Spielsachen. Das geht aus dem Jahresbericht zum Schnellwarnsystem "Rapex" hervor. Kinder könnten sich an den Spielsachen verletzen, ersticken oder mit giftigen Chemikalien in Kontakt kommen.

"Spielsachen sind ein ganz wichtiges Problem, das die Schwächsten trifft", sagte EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourova. Um dies zu ändern, arbeite die EU-Kommission an strengeren Normen für die Sicherheit von Spielzeug und werde weitere Informationskampagnen starten. Neben Spielsachen (28 Prozent) machten im vergangenen Jahr Kleidung, Textilien und Modeschmuck (23 Prozent) den größten Anteil aus. Fast zwei Drittel der Waren kommen dem Bericht zufolge aus China . Allein bei den in der EU verkauften Spielsachen stammen mehr als 90 Prozent aus chinesischer Produktion.

Die steigenden Zahlen müssten Verbraucher nicht verunsichern, sagte Jourova: "Das kann bedeuten: Wir importieren einfach mehr gefährliche Produkte oder die nationalen Behörden entdecken mehr. Ich neige zu der zweiten Erklärung." Doch wie können sich die Europäer beim Einkauf vor gefährlichen Produkten schützen? Jourova gibt einen einfachen Ratschlag: "Die Verbraucher sollten sorgfältig sein und die Produktinformation lesen oder sich im Internet informieren."

Verbraucherschützer kritisieren, dass die Politik damit die Verantwortung dem Konsumenten zuschiebt. "Es darf nicht sein, dass es Aufgabe des Verbrauchers ist, sich durch Datenbanken zu klicken, bevor er einkaufen geht", kritisiert Monique Goyens von der europäischen Verbraucherorganisation BEUC. "Verbraucher müssen darauf vertrauen können, dass nur sichere Produkte in den Laden kommen."

Grüne: Problemland China




Wie die Behörden dafür sorgen können, ist aber umstritten. EU-Kommissarin Jourova setzt auf frühes Handeln: "Wir teilen unsere Informationen mit dem Zoll. Ein beschlagnahmter Container ist wirkungsvoller als eine Rückrufaktion aus Tausenden Geschäften." Zudem setzt sie auf strengere Normen und neue Informationskampagnen. Das reicht aber nicht, finden Kritiker. Der Grünen-EU-Abgeordnete Martin Häusling fordert: "Die Kontrollen müssen noch strenger werden." Zudem müsste die EU-Kommission endlich einmal Klartext mit dem Problemland China reden.