Gedenken an die Opfer des Attentates vom 11. September 2001

Kolumne Wort zum Alltag : Unser Glaube ist Vergebung statt Rache

Es sind 18 Jahre vergangen, seit am 11. September 2001 Terroristen Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers in New York steuerten. Fast 3000 Menschen starben.

Wie in jedem Jahr, so wird auch heute der Toten gedacht, etwa mit einer Schweigeminute in den USA am so genannten Ground Zero.

Genau an diesem Punkt, an dem die Zwillingstürme vor 18 Jahren einstürzten, befindet sich seit 2011 eine Gedenkstätte. „Reflecting Absence“ heißt sie, was so viel bedeutet wie „Nachdenken über das, was fehlt“. Der Name ist außerdem eine Anspielung auf das reflektierende Wasser, das in dem Mahnmal eine besondere Rolle spielt. 2015 war ich an diesem Ort. Und mir ist „Reflecting Absence“ noch gut in Erinnerung – nicht allein die beeindruckende Architektur, sondern vor allem die Atmosphäre.

Trotz so viel Gewalt und Hass, die mit dem 11. September 2001 verbunden sind, wirkt der Ort nicht düster. Nichts dort schreit nach Rache. Bäume und Wasser vermitteln ein Gefühl von Hoffnung und Lebendigkeit. Der frühere Gouverneur von New York, George Pataki, sagte dazu: „Die Gedenkstätte erfasst unser Gefühl des Verlusts, aber auch unseren Mut und unseren Glauben.“ Für mich verdichtet sich dieser Satz im Zentrum des Mahnmals, da wo an zwei großen Wasserbassins die Namen der rund 3000 Opfer eingraviert sind. Ein Vorhang aus Wasser trennt die Besucher von den Becken.

Dieser Vorhang, so erklärten die Architekten, sei ein Symbol für das Leben. Vorne die Besucher, dahinter die Namen der Toten. Als ich da stehe, fühlt es sich für mich nicht nach Trennung an. Der leichte Vorhang aus Wasser wirkt eher wie ein Übergang von einem Leben zum nächsten. Manchmal scheint das Licht hindurch und es wird etwas erkennbar. Und im nächsten Moment sind die Umrisse wieder verschwunden. Es bleibt das Gefühl der Verbundenheit und die Hoffnung, dass hinter dem Offensichtlichen eine andere Welt existiert.

So stehe ich vor diesem Vorhang aus Wasser, nachdenklich und seltsam berührt. Ich spüre den Verlust an diesem Ort, aber keinen Hass; spüre den Schmerz, aber nicht den Wunsch nach Vergeltung; den Tod, aber auch das Leben.

Schon oft habe ich an diesen Moment in „Reflecting Absence“ gedacht und an dieses seltsame Gefühl von Hoffnung und Frieden an einem Ort, der doch eigentlich für die brutale Missachtung des Lebens steht. Dieses Mahnmal hat mich als Mensch berührt – und als Christ. Weil das unser Glaube ist: Vergebung statt Rache, Liebe statt Hass, Leben statt Tod. Leicht ist solch ein Glaube wahrlich nicht. Schon gar nicht an einem Ort wie dem Ground Zero. Aber ich spüre, dass er selbst hier möglich ist.

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