Gar nicht so „mozärtlich“

Gar nicht so „mozärtlich“

„Mozart pur“ verhieß die Presse-Information des SR für das Studiokonzert am Freitag auf dem Halberg. Und meinte damit natürlich die Programmfolge.

Chefdirigent Karel Mark Chichon meinte es mit der Deutschen Radio Philharmonie wohl auch noch etwas anders: Denn sein Mozart kam offensiv, saft- und kraftvoll daher, mit direktem Klang, modernem Gestus und weniger "mozärtlich". Die Ouvertüre zur Oper "Lucio Silla" zeigte das gleich zu Beginn mit üppigen Bläsern, druckvollen Bässen und dadurch ein wenig benachteiligten Violinen. Das Klavierkonzert A-Dur KV 488 bot Gelegenheit, galante Atmosphäre und eine lyrisch-leichte Grundhaltung zu zaubern.

Die 23-jährige Chinesin Claire Huangci aus Amerika war ein Glücksfall für das Spannungsfeld zwischen Unterhaltendem und persönlichem Ausdruck. Mit feinem "jeu perlé" gelangen ihr nicht nur der kantable Kopfsatz und das temperamentvolle Parlando des Finales vortrefflich. Auch der tiefe Ernst im "Siciliano"-Adagio, voll gedankenschwerer Resignation, war bei ihr in sicheren, auf feine Schattierungen bedachten Händen. Das hätte auch die Begleitung noch ein wenig mehr dynamisch inspirieren können. Dass die Pianistin auch das perkussiv Laute beherrscht, zeigte die Zugabe: ein "Schlag"-Stück von Prokofieff. Festlicher Abschluss dann mit der "Linzer Sinfonie" im strahlenden C-Dur. Chichon bevorzugte zügige Tempi, was im "Presto"-Finale schon "a richtige Hetz" wurde und dem "Poco adagio" kaum Ausgeruhtes oder Ausgespieltes verlieh.

Dafür gab es im "Menuetto" überraschende Manierismen à la Viennoise. Die DRP-Sinfoniker legten sich sichtlich ins Zeug, ihrem Maestro mit Präzision und vorzüglicher Klanglichkeit zu folgen. Das war das Konzert eben auch: Chichon pur.