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Funkelnd wie ein Fabergé-Ei

Saarbrücken. Musikalisch ist die neue Opernproduktion am Saarländischen Staatstheater, Rimski-Korsakows „Goldener Hahn“, ein kleiner Edelstein. Die Inszenierung fasst das Ganze aber nur in glänzendes Blech. Oliver Schwambach

Die Musik? Funkelnd wie ein Fabergé-Ei, einer jener über und über mit Edelsteinen verzierten Schätze, die am russischen Hof zum Osterfest verschenkt wurden. Und innendrin, in diesen sündteuren Ur-Ü-Eiern, wartete meist noch eine kunstfertige Surprise. Genauso verhält es sich mit Rimski-Korsakows Oper "Der Goldene Hahn", die auch voller kleiner Wunder steckt. Wenn der dunkle russische Klangkosmos - für den Hof des gefräßig-faulen Zaren Dodon (köstlich brummig: Jiri Sulzenko) - gleich einer Eierschale platzt, und es orientalisch glitzert, chromatische Würze hinzutritt, dann hält die Königin von Semacha ihren Auftritt. Im Saarbrücker Theater wird der so explosiv inszeniert, dass Mozarts "Königin der Nacht" vor Neid erblasste. Und Sopranistin Yitian Luan beglaubigt das auch in jeder Note mit ihrer strahlenden Stimme, aber sie kann auch, fast schon in Strauß'scher Seligkeit, verführen.

Ja, diese letzte Oper des großen Russen, den viele leider bloß als "Hummelflug"-Komponisten kennen, gleicht einem Füllhorn der Fantasie, birgt allerschönste Märchenmusik. Dabei überrascht Rimski-Korsakow (1844-1908), der selbst die Uraufführung seiner Oper 1909 in Moskau nicht mehr erlebte, auch mit Irritierendem. Der Astrologe, eine Art kommentierender Erzähler, der zu Anfang und Beginn, aber auch in der Kernhandlung auftritt, relativiert das gesamte Spiel, verfremdet es. Als kurzfristiger Einspringer war der versierte Eberhard Francesco Lorenz in dieser Rolle eine sichere Bank.

Den Musikgenuss hat man freilich nur, wenn ein hochsensibler Dirigent wie Christopher Ward am Pult steht, der all diese Klangfarben mit dem Orchester auffächern kann und genauestens auf Transparenz achtet. Dann können die vielen bravourösen Soli - Harfe, Geige, Flöte, Oboe - blühen. Dann wird es zur Freude, dass dieser "Goldene Hahn" auch in Saarbrücken mal kräht.

Wobei man sagen muss: Für das Orchester erweist sich das zweistündige Werk klar als die dankbarste Aufgabe. Als Regisseur hat man es aber mit einem Poem Puschkins aus dem 19. Jahrhundert zu tun, das Wladimir Belski zum Libretto streckte. Dessen satirisches Pulver ist aber mittlerweile feucht geworden. Denn die Mär von einem Alleinherrscher, der seine Zeit mit Schlafen und Schlemmen vertut, während sein Volk darbt, und der bei Daseinsfragen seines Reichs, das Krähen eines goldenen Hahns als Orakel nimmt, wurde gerade im 20. Jahrhundert durch Führergrausamkeit und auch Exzentrik hundertfach überboten. Da müsste ein Regisseur schon richtig was wagen und die Oper zu einem hochaktuellen Spiegel für echte oder Quasi-Diktatoren machen, ob die nun Kim oder Putin heißen. Das aber war Johannes Pölzgutter und seinem Team (Bühne: Nikolaus Webern; Kostüme: Janina Ammon) wohl zu direkt. Dodons Zarenresidenz kommt einem nun vor wie aus einem Diktatoren-Comic mit karikaturenhaft überzeichneten Figuren. Alles schön bunt und prall. So wie beim völlenden Zar der Bauch wölben sich bei Hofdame Amelfa (exzellent: Judith Braun) Po und Hüften. Und Hiroshi Matsui als General Polkan steckt unter einer Generalsmütze groß wie eine Teetischchen, während Dodons rivalisierende Söhne Gwidon (erfrischend in der Stimme wie im Spiel: Algirdas Drevinskas) und Afron (James Bobby) aufgepumpt wie Meister Proper herumhampeln. Gewiss, da gibt es heitere Momente, aber eben auch viel Leerlauf, während in der Musik ständig ein Feuerwerk brennt.

Letztlich ist die Inszenierung da viel zu harmlos, sie verschenkt die Möglichkeiten des Stoffs. Als höchster Moment der Empörung wird mal eine Zeitungsseite mit der Schlagzeile "Hungersnot" dem Publikum vorgehalten, derweil Zar Dodon weiter tafelt: Politikkritik in homöopathischer Dosis.

Weitere Termine: 17. und 27. März. Karten unter Tel. (06 81) 3 09 24 86.