Friedrich mit neuer Leichtigkeit

Friedrich mit neuer Leichtigkeit

Der Grüne-Woche-Rundgang mit Häppchen und Gläsern im Minutentakt ist für jeden Bundeslandwirtschaftsminister eine große Bühne. Ressortchef Friedrich tourt freudig durch die Messehallen und ins neue Amt.

Diese Frage wurde schon jedem Landwirtschaftsminister gestellt: "Herr Minister, wie geht es ihrem Magen?" Drei Stunden Rundgang durch die Berliner Messehallen sind rum, und Hans-Peter Friedrich (CSU) antwortet beschwingt: "Blendend. Es geht mir richtig gut. Ich könnte noch einen Rundgang machen."

Verputzt hat er da schon diverse Käse, Wursthäppchen, Fisch und extrem süßes Gebäck. Das Essen ist auf der Grünen Woche aber nicht das Gefährliche, es sind die gereichten Getränke. Die besonderen Herausforderungen beim Eröffnungsrundgang mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) an der Seite nimmt der Neue im Agrarressort mit Leichtigkeit. Andere Aufgaben werden für ihn weitaus schwieriger werden. Auch das zeigt sich auf der Grünen Woche.

Als Friedrich bis zur Bundestagswahl noch Innenminister war, war von Unbeschwertheit nicht viel zu spüren. Sicher, da ging es für ihn um Salafisten, Terroristen und Neonazis. Nun kümmert er sich um Schweine, Rinder und gutes Essen. Das ist ein Unterschied. Aber das Innenressort war nie seins, er hat damit gefremdelt, manch einer nannte ihn überfordert. Jetzt macht der 56-Jährige den Eindruck, als ob ihm seine neue Aufgabe gerade recht gekommen ist - er wirkt gelöst und befreit. Friedrich galt auch diesmal wieder als Verlegenheitslösung. Für seine CSU war es enorm wichtig, weiterhin das Berliner Agrarministerium zu führen und im Bund die Interessen des ländlich geprägten Freistaates hochzuhalten. Auf dem Land wohnt immer noch die Kernklientel der CSU. Nachdem Parteichef Horst Seehofer jedoch schon Verkehrsminister Peter Ramsauer den Verbleib im Kabinett versagt hatte, konnte er nicht noch einen seiner Minister schassen. Das hätte für viel Unruhe gesorgt. So kam Friedrich zum Zuge, der das Amt wegen des Abgangs von Vorgängerin Ilse Aigner schon kommissarisch geführt hatte. Ganz fremd ist ihm der Stoff also nicht.

Mehr von Saarbrücker Zeitung