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| 20:14 Uhr

Frau der tausend Stimmen

Dillingen. Erobern? Braucht sie, muss sie nicht. Ute Lemper hat das Publikum im Dillinger Lokschuppen schon beim ersten anmutigen Schritt auf die Bühne im Griff. Tosender Applaus, volles Haus. Die Lemper in Dillingen: Da schwingt Sensation mit. Zu Recht. Zeigt sie doch die ganz hohe Schule des Entertainments. Ohne Mühe wie es scheint, heiter, unangestrengt Von SZ-Redakteur Oliver Schwambach

Dillingen. Erobern? Braucht sie, muss sie nicht. Ute Lemper hat das Publikum im Dillinger Lokschuppen schon beim ersten anmutigen Schritt auf die Bühne im Griff. Tosender Applaus, volles Haus. Die Lemper in Dillingen: Da schwingt Sensation mit.Zu Recht. Zeigt sie doch die ganz hohe Schule des Entertainments. Ohne Mühe wie es scheint, heiter, unangestrengt. Natürlich singt sie gleich das Lied der Dietrich: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. . ." Die Lemper rollt die Rrrrrrs, trägt dick auf bis zur Parodie. Aber jedes Klischee über sie von der zweiten Marlene verfliegt auch in dieser Ironie. Also, ein blauer Engel will sie nicht sein. Was dann aber? Nun, stattdessen nimmt sie und ihre profilierte vierköpfige Combo das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit, die Musik und auch entlang der Vita der Wahl-New Yorkerin. Es ist ein Abend voller Lieder, der Staunen macht: Ute Lemper singt Piaf, Glass, Brel, Weill, die "Roten Rosen" der Knef lässt sie vom Himmel regnen - einer der eindringlichsten Momente dieses Konzerts. Aber die 45-Jährige scattet auch, ist "Cabaret"-Girl, mondäne Jazz-Lady. Was vermag sie eigentlich nicht, diese Frau der tausend wunderbaren Stimmen? Und doch, mit jedem neuen Verwandlungskunststück, wächst leise auch die Frage: Wo, bitte, zeigt sich da die wahre Ute Lemper?

Manchmal glaubt man sie fassen zu können, wenn sie spricht. Sie plaudert viel. Fliegt in atemlosen Sätzen von Berlin nach New York, retour à Paris, Zwischenstopp Buenos Aires: eine Weltbürgerin, die überall zuhause scheint, und doch nirgendwo Heimat findet. So wie sie virtuos die Sprachen wechselt, und dann doch mal im Vielflieger-Esperanto strandet. Auch manches Chanson wird leider spröde in coolen Jazz-Arrangements, der Zärtlichkeit beraubt, weil die Lemper seine Strophen partout auch noch in Englisch singen will. Vielleicht fällt einer wie ihr, die so vieles kann, genau das am Schwersten: nicht alles zu zeigen.