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Unfall auf Sommerrodelbahn im Sauerland
„Der Mensch ist das größte Sicherheitsrisiko“

Im Fort-Fun-Park in Bestwik im Sauerland gab es wieder einen Unfall.
Im Fort-Fun-Park in Bestwik im Sauerland gab es wieder einen Unfall. FOTO: dpa, bt
Es ist der zweite Unfall auf der Sommerrodelbahn im Fort-Fun-Park im Sauerland innerhalb von zwölf Monaten. Doch die technische Sicherheit der Sommerrodelbahn sei garantiert. Nur der Mensch ist selbst ein Risiko. Von Franziska Hein

Nach dem Unfall einer 39-jährigen Frau auf der Sommerrodelbahn im sauerländischen Fort-Fun-Park wird über die Sicherheit der Anlage diskutiert. Es ist bereits der zweite Unfall in diesem Freizeitpark innerhalb von zwölf Monaten. Im vergangenen Oktober hatte ein Junge bei einem Unfall auf derselben Bahn einen Teil seines Beins verloren. Das lässt an der Sicherheit der Anlage zweifeln.


Betreiber und Polizei erklären sich den Unfall durch einen Fehler der Fahrerin. Die Frau habe nicht stark genug abgebremst und sei auf die Karosse ihres voraus gefahrenen Ehemanns aufgeprallt, hatte es in der ersten Polizeimeldung geheißen. Sie musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Frau konnte das Krankenhaus schon am Montag wieder verlassen, teilte Andreas Sievering, Geschäftsführer des Fort-Fun-Parks mit.

Der Park verweist in einer Stellungnahme auf die Verantwortung der Frau. Sie habe Hinweisschilder missachtet und habe nicht abgebremst. Damit habe sie sich selbst und ihren Mann in Gefahr gebracht.



Wie die Polizei berichtet, kam es nach dem Unfall zu einer Schubserei zwischen Familienangehörigen der Frau und Parkmitarbeitern. Der Park habe eine Anzeige erstattet, die Polizei ermittelt wegen leichter Körperverletzung.

Der TÜV Rheinland prüft regelmäßig die Sommerrodelbahnen in NRW. „Grundsätzlich ist das ein sicheres Vergnügen“, sagt TÜV-Sprecher Frank Ehlert. „Aber der Faktor Mensch ist selbst das größte Sicherheitsrisiko.“ Der Fahrer müsse sich an die Sicherheitshinweise halten. Man müsse seine Gliedmaßen bei sich behalten und dürfe sie nicht aus der Karosse strecken, außerdem sollte man darauf achten, keine Kleidung zu tragen, die sich schnell verheddern könne.

Sommerrodelbahnen haben viele eingebaute Sicherheitsmechanismen, die die Geschwindigkeit regulieren und das Risiko für Auffahrunfälle verringern können. Das weiß niemand besser, als Kai Köberich von der Firma Wiegand aus Hessen. Das Unternehmen ist international einer der größten Hersteller von Sommerrodelbahnen und hat auch den „Trapper Slider“ im Fort-Fun-Park gebaut. „Bei 100 Millionen Fahrten auf all unseren Anlagen weltweit ist das Unfallrisiko wirklich gering“, sagt Köberich, der die Abteilung „Fahrgeschäfte“ leitet. Aber: Man könne das Risiko nicht auf Null reduzieren. „Denn der Fahrgast kann die Geschwindigkeit in einem gewissen Rahmen selbst bestimmen und hat damit eine Eigenverantwortung“, sagt Köberich. „Bei Fehlverhalten passieren Unfälle.“

Dennoch gebe es Mechanismen, die auch im Falle eines Fehlverhaltens Unfälle verhindern sollen. Zum Beispiel hat die Anlage im Sauerland sogenannte Fliehkraftbremsen. Das bedeutet, steigt die Geschwindigkeit auf mehr als 40 Kilometer pro Stunde, wird der Schlitten leicht abgebremst. Auch am Ende der Fahrbahn gibt es auf Magneten basierende Bremssysteme, die die Geschwindigkeit soweit reduzieren sollen, dass kein Auffahrunfall passiert oder der Aufprall nicht so stark ist. Der Fachmann ist sicher, dass das Bremssystem auch am Wochenende funktioniert habe. Nur ganz zum Stillstand komme der Wagen nicht. Denn der Fahrer müsse selbst mit einem Bremsknüppel bremsen.

Nach dem Unfall mit dem Jungen im vergangenen Jahr hat der Park die Sommerrodelbahn mit einer Gurtschließriegelung ausgestattet. Das bedeutet, dass sich Fahrgäste nun nicht mehr während der Fahrt selbstständig abschnallen können. Nach Erkenntnissen der Unfallgutachter hatte der Junge sich während der Fahr abgeschnallt. „Wir versuchen, die Anlagen immer sicherer zu machen und gleichzeitig den Fahrspaß zu erhalten“, sagt Köberich.