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Nach halbjähriger Pause
Fortunas Oliver Fink steht gegen Hertha im Kader

Dreikampf im Relegationsrückspiel 2012: die Berliner Nikita Rukavytsya (rechts) und Peter Niemeyer mit dem Düsseldorfer Oliver Fink.
Dreikampf im Relegationsrückspiel 2012: die Berliner Nikita Rukavytsya (rechts) und Peter Niemeyer mit dem Düsseldorfer Oliver Fink. FOTO: imago sportfotodienst
Nach halbjähriger Pause steht Oliver Fink gegen Hertha BSC im Kader. Er ist ein Veteran der Relegation von 2012. Von Bernd Jolitz

Es ist nur eine einzige Personalie. Allerdings eine, die für Friedhelm Funkel ausgesprochen bedeutsam ist. Wenn Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf am Samstag um 15.30 Uhr in der eigenen Arena auf Hertha BSC trifft, steht Oliver Fink wieder im Kader – zum ersten Mal seit dem 6. April. Da absolvierte Fortunas Kapitän noch zu Zweitligazeiten bei der 1:2-Heimniederlage gegen den VfL Bochum volle 90 Minuten, musste sich anschließend aber wegen einer Adduktorenverletzung abmelden.


Es war der Beginn einer schwarzen Serie. Zum Beginn der Vorbereitung war der 36-Jährige zwar wieder fit, doch dann erwischte ihn im Trainingslager zunächst ein Virus, dann ein Muskelfaserriss in der Wade. Scheinbar nichts Dramatisches, aber mit bösen Folgen: Durch falsche Belastung meldete sich die Achillessehne – und die Schmerzen in diesem hochsensiblen Bereich verhinderten Finks Comeback. Bis zum Samstag, nach fast genau sechsmonatiger Leidenszeit.

„Ich freue mich sehr, dass unser Kapitän wieder an Bord ist“, sagt Funkel erleichtert. „Ich habe mich oft gefragt, warum in der Öffentlichkeit so wenig über sein Fehlen gesprochen wurde. Dass Olli so lange nicht dabei war, hat uns ganz, ganz hart getroffen. Er ist mein wichtigster Mann auf und neben dem Platz.“ Seit drei Wochen ist Fink nun wieder im Mannschaftstraining, „und vorher hat er unglaublich lange individuell trainiert“, ergänzt der Chefcoach, der den gebürtigen Oberpfälzer ursprünglich über die U23-Regionalligamannschaft wieder heranführen wollte. Nicht zuletzt wegen der kritischen Situation am Tabellenende hat sich Funkel jedoch umentschieden: „Olli kann den anderen mit seiner Erfahrung, seiner Spielintelligenz und seiner Präsenz helfen“, versichert der 64-Jährige. „Es ist zuletzt überraschend schnell gegangen mit seiner Genesung. Läuferisch ist er schon jetzt wieder absolute Spitze, ganz, wie man es von ihm gewohnt ist.“



Fink selbst ist einfach nur froh. „Ich freue mich riesig darauf, vor heimischem Publikum wieder auf dem Rasen zu stehen. Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, in die Erfolgsspur zurückzufinden.“

Dass es für den Fortuna-Kapitän ausgerechnet gegen Hertha BSC zurück auf den Platz geht, ist schon kurios. Zusammen mit seinem Teamkollegen Adam Bodzek und Herthas Ersatztorhüter Thomas Kraft ist Fink der einzige verbliebene Profi in beiden Kadern, der das chaotische Relegationsrückspiel 2012 aktiv miterlebte. Fabian Lustenberger war zwar damals wie heute bei Hertha, wurde in der Relegation jedoch ebenso wenig eingesetzt wie der heutige Fortune und damalige Berliner Alfredo Morales.

Fink dagegen stand auf dem Platz, als Fortuna sich nach dem 2:1-Hinspielsieg in der Hauptstadt durch das Rückspiel zitterte. 2:2 stand es vor sechs Jahren, als die Partie in der Nachspielzeit wegen eines verfrühten Platzsturms für 21 Minuten unterbrochen werden musste. Schiedsrichter Wolfgang Stark pfiff das Spiel wieder an und nach 60 Sekunden endgültig ab, wurde dafür vom Berliner Profi Levan Kobiaschwili geschlagen. Zehn Tage lang quälte Hertha damals Fußball-Deutschland mit einem Prozessmarathon, ehe der Klub endlich die Urteile der DFB-Gerichtsbarkeit akzeptierte und abstieg. Kobiaschwili wurde acht Monate gesperrt und vermied durch Zahlung einer Geldstrafe von 60.000 Euro eine mögliche Haft.

Doch nicht nur wegen dieser Erinnerungen wird es am Samstag ein brisantes Spiel. Herthas Anhang fiel jüngst beim 2:2 in Dortmund durch Ausschreitungen auf und steht in Düsseldorf unter Beobachtung. Besondere Sicherheitsmaßnahmen, so Fortuna auf Nachfrage, werde es dennoch nicht geben. Und mit einiger Wahrscheinlichkeit auch keinen vorzeitigen Platzsturm wie am Abend des 15. Mai 2012.

Für Fink freilich steht das alles am Samstag im Hintergrund. „Das Thema Relegation gegen Hertha“, so der Kapitän, „hat für mich keine besondere Bedeutung mehr.“