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Fortschritt soll im Saarland mehr Gewinner haben

Saarbrücken. Mit Persönlichkeiten, die neue Ideen haben und sie konsequent verfolgen, fängt alles an. Von denen haben wir inzwischen einige an der Saar, die sich auch national und international einen Namen gemacht haben. Mit den richtigen Strukturen geht es weiter. Hier sind Existenzgründer wichtig, die für ihre neuen Entwicklungen in verschiedensten Branchen Förderer und Banken finden müssen, die Ideen auch ohne Erfolgsgarantien unterstützen. Hier wird es im Saarland schon deutlich schwieriger. Es fehlen viele Existenzgründer. Und es mangelt an genügend weitsichtigen Bankern, die noch etwas riskieren. Thomas Sponticcia

Hier ist die erste Baustelle für die Mitglieder des neuen Digitalisierungsrates, der gestern erstmals zusammentrat. Er soll die Landesregierung beraten und Handlungsfelder aufzeigen, wie sich das Saarland mit Hilfe neuester Technologien in eine deutlich attraktivere Position als national und interrational gefragter Wirtschaftsstandort bringen kann, der neue Unternehmen und neue Arbeitsplätze anzieht. Die Mitglieder des neuen Digitalisierungsrates, regionale und überregionale Unternehmer, Wissenschaftler und Gewerkschafter, können mit ihrem Einfluss dazu beitragen, dass Existenzgründern gegenüber ein noch offeneres Klima entsteht.



Die Mitglieder des Digitalisierungsrats können vieles bewirken. Denn die nächste Herausforderung bei der Verbesserung der Strukturen an der Saar ist das Tempo. Mit Hilfe von Professor Wolfgang Wahlster , dem Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), und dem Geschäftsführer von T-Systems , Ferri Abolhassan, im neuen Gremium sollte die Chance steigen, Testversuche für die neueste und bisher höchste Übertragungsgeschwindigkeit im Mobilfunk mit Namen 5 G auch an die Saar zu holen. Sie ist Grundlage für die nächste große technische Herausforderung: die schnelle, interaktive Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen in Produktionsbetrieben, insbesondere aber auch in der Autoindustrie und deren Zuliefer-Betrieben. Das neue Tempo versetzt Roboter in die Lage, untereinander zu kommunizieren und Anweisungen besser zu verstehen. Betriebe wie Ford, Bosch, ZF, Dillinger Hütte , Saarstahl, aber auch viele Mittelständler an der Saar können sich solche Entwicklungen zu Nutze machen, wenn viele dieser technischer Neuerungen hier erprobt werden. Der Digitalisierungsrat kann hier eine Brückenfunktion zwischen Wirtschaft und Politik übernehmen.

Die konsequente Förderung der Digitalisierung ermöglicht neue Entwicklungen in zahlreichen Bereichen an der Saar: in der Bildung, im Gesundheitswesen, im Handel und anderswo. Aber die Digitalisierung ist kein Allheilmittel. Auch über die Grenzen muss geredet werden. Am wichtigsten wird der Datenschutz. Wer bekommt Zugang zu welchen Daten - etwa in der Auto-Elektronik? Wem gehören die Daten: dem Hersteller, dem Staat, dem Kunden? Welche Auswirkungen wird die Digitalisierung auf die Arbeitsplätze etwa in der Autoindustrie haben, wenn Roboter immer mehr können? Was wird aus unqualifizierten Arbeitnehmern und Schülern, die trotz immer mehr digitaler Hilfsmittel im Unterricht keinen Schulabschluss schaffen? Die Digitalisierung wird auch Verlierer haben. Im Saarland muss es aber mehr Gewinner geben.