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Ford Saarlouis startet durch

Saarlouis. Im Saarlouiser Ford-Werk sollen bis zum Jahresende fast 378 000 Fahrzeuge produziert werden, so viele wie seit Jahren nicht. Der neue Betriebsratsvorsitzende Markus Thal rechnet mit einer weiteren Aufstockung der Stammbelegschaft. Thomas Sponticcia

Er ist ein "Ford-Gewächs", seit 1987 im Unternehmen tätig. Markus Thal (45) hat es vom gelernten Werkzeugmechaniker für Stanz- und Umformtechnik über verschiedene Tätigkeiten bei Ford bis zum Betriebsratsvorsitzenden geschafft. Als Nachfolger des verstorbenen Gilbert Hess steht das IG-Metall-Mitglied seit November 2014 an der Spitze des Gremiums. Thal verfolgt nach eigenen Worten einen pragmatischen Kurs. Die Suche nach Kompromissen steht für ihn im Vordergrund. Argumente zieht er grundsätzlich Krawall vor. Dennoch scheut er keinen Konflikt sowohl auf betrieblicher Ebene, als auch in Tarifauseinandersetzungen. Doch selbst da müsse man, wenn möglich, wieder an den Verhandlungstisch zurückfinden, was neben dem Kompromiss auch den sozialen Frieden sichere. Diesen sieht Thal neben der Qualität der Produkte und der dualen Berufsausbildung als einen der wichtigsten Standortfaktoren in Deutschland an, was selbst die Ford-Führungsspitze in Detroit anerkenne.

Ford in Saarlouis sieht Thal sehr gut aufgestellt für die Zukunft. Die Belegschaft sei entsprechend motiviert, die Produktivität so hoch, dass das Werk weltweit innerhalb der Ford-Strukturen mit an der Spitze stehe. 2015 sieht Thal Saarlouis vor einer deutlichen Produktions-Steigerung. Mit einer Jahresproduktion von geplanten 377 956 Fahrzeugen werde ein Wert erreicht, den man seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 mit jährlich im Schnitt 300 000 Autos nicht mehr erlebt habe. Alleine gegenüber 2014 bedeutet das eine Steigerung um 75 000 Fahrzeuge. Maximal könnten in Saarlouis 400 000 Autos produziert werden.

In der Folge ist Thal auch optimistisch, dass die bestehende Beschäftigung im Werk gesichert und sogar ausgebaut werde. Aktuell verhandelt der Betriebsrat mit der Werkleitung auch über die Frage, inwieweit eine größtmögliche Zahl der rund 900 befristet beschäftigten Leiharbeitnehmer im Laufe des Jahres in die Stammbelegschaft wechseln können.

Die Tagesproduktion ist bereits schrittweise von 1530 auf 1770 Autos erhöht worden. Den Löwenanteil davon macht der Focus aus, vom C-Max laufen täglich im Schnitt 400 Fahrzeuge von den Bändern. Im April soll die Tagesproduktion auf 1800 Fahrzeuge steigen. In der Diskussion sind zudem derzeit sechs Sonderschichten, je drei im Mai und im Juni. So soll die Jahresproduktion um 5500 Pkw steigen. Thal appelliert an die Werkleitung, die Produktion gleichmäßiger auf das ganze Jahr zu verteilen, damit eine bessere Personalplanung im Werk gewährleistet werden kann. Die Planungen sehen bisher vor, die Tagesproduktion nach dem Sommerurlaub wieder etwas zurückzuführen inklusive fünf kollektiver Freischichten im Oktober.

Sorgen bereiten dem Betriebsratsvorsitzenden die immer weiter zunehmenden Fälle von Beschäftigten, die nach Jahrzehnten in der Produktion der Dauerbelastung körperlich nicht mehr gewachsen sind. Es fehlten bei Ford ausreichend Möglichkeiten zu einer alternativen Beschäftigung. Die Integration der Betroffenen im Betrieb werde immer schwieriger. Thal verweist jedoch auf Tendenzen, wieder mehr ausgelagerte Tätigkeiten in das Werk zurückzuholen. Ideal sei zum Beispiel die Fahrzeugauslieferung als letzte Stufe der Produktion.

Hang zum Sachbuch

Ein anderes Problem hat Thal schon gelöst. 15 Kinder von Ford-Beschäftigten besuchen das "Kinderland" in Saarwellingen, eine Einrichtung mit Krippen- und Kindergartenplätzen. Die Einrichtung hat von 5 bis 22.30 Uhr geöffnet, was zu den Schichtzeiten von Ford sehr gut passt. Die durch die langen Öffnungszeiten zusätzlich anfallenden Kosten übernimmt nach einer Kooperationsvereinbarung die Ford-Werke GmbH. Auch an dieser Vereinbarung hat Thal mitgewirkt, der sich sogar sein Fitness-Studio danach ausgesucht hat, ob eine Kinderbetreuung existiert. In Rehlingen hat er ein solches gefunden.

In der Freizeit entspannt der Betriebsrat gerne bei einem Sachbuch. Seine jüngste Empfehlung: Roger Willemsen - ein Jahr im Parlament. "Ich war erstaunt, wie ernüchternd Politik sein kann, wo viele Entscheidungen wirklich fallen und wie isoliert Politiker zuweilen miteinander umgehen", so Thal.