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"Filmisch, nicht journalistisch"

Sabina Engel (links), Moritz Höhne und Angela Winkler, deren Tochter beim Theater RambaZamba spielt. Foto: Engel
Sabina Engel (links), Moritz Höhne und Angela Winkler, deren Tochter beim Theater RambaZamba spielt. Foto: Engel
Saarbrücken. "Diese Menschen werden ausgerottet - das ist eine Tragödie", sagt die Theaterregisseurin Gisela Höhne - sie meint Behinderte, die mittels pränataler Diagnostik (und einem folgenden Schwangerschaftsabbruch) seltener werden. Höhnes Sohn heißt Moritz, hat das Down-Syndrom und arbeitet mit seiner Mutter in dem von ihr geleiteten Berliner RambaZamba-Theater Von SZ-Redakteur Tobias Kessler

Saarbrücken. "Diese Menschen werden ausgerottet - das ist eine Tragödie", sagt die Theaterregisseurin Gisela Höhne - sie meint Behinderte, die mittels pränataler Diagnostik (und einem folgenden Schwangerschaftsabbruch) seltener werden. Höhnes Sohn heißt Moritz, hat das Down-Syndrom und arbeitet mit seiner Mutter in dem von ihr geleiteten Berliner RambaZamba-Theater. Dort haben Sabina Engel und Sylvie Banuls ihren Dokumentarfilm "Liebe Dich. . ." gedreht - mit Bildern von Proben und Aufführungen, mit Gesprächen mit den Künstlern und ihren Familien. "Filmisch, nicht journalistisch" soll der Film sein, sagt Engel - so gibt es keine erklärenden Kommentare und keine klassische Dramaturgie, wie etwa der Weg von Proben zu einer Premiere. Der Film vermeidet eine Von-oben-Perspektive auf die Behinderten, er zeigt und berichtet, aber lässt es nicht übertrieben menscheln. Da fallen dann auch mal unerwartet harte Sätze. In der Familie der Schauspielerin Angela Winkler ("Die Blechtrommel"), deren Tochter Nele bei RambaZamba mitspielt, wird rustikal gescherzt: "Wir hatten am Anfang überlegt, sie aus dem Fenster zu werfen."


Vor fünf Jahren ist der Film entstanden, bei arte und in 3sat lief er und wurde zu einigen Festivals eingeladen; sogar zu einem indischen, das aber so schmal budgetiert war, dass es nur den Film, nicht aber die Regisseurinnen einladen konnte. Der Film ist als DVD erschienen.

Sabina Engel stammt aus Saarbrücken, zog nach München, um eine Schneiderlehre zu machen, als Vorbereitung eines Kostümbildner-Studiums an der Universität der Künste Berlin. "Da kommt man aber nicht einfach so hin", sagt die 44-jährige Engel. Stattdessen studierte sie Kunst und hat neben der eigenen künstlerischen Arbeit, bei zahlreichen Spielfilmprojekten Ausstattung und Kostüme gemacht. Film als ästhetisches Medium begreift sie als eine Art Synthese: Bilder und Töne als "Transportmittel", um Inhalte zu verweben, einen Film zu gestalten, die so genannte Wirklichkeit künstlerisch zu verdichten ist eine konsequente Weiterentwicklung. Später arbeitete sie als Assistentin im Bereich Erziehungswissenschaft, interessierte sich zunehmend für den Dokumentarfilm. So verglich sie in ihrer Examensarbeit über die WDR-Doku-Soap "Die Fußbroichs" und die Dokumentation "Mama General - oder arm würd ich nicht sagen" von Peter Heller und Sylvie Banuls - ihrer späteren Co-Regisseurin. Mit den beiden Filmemachern hat sie danach regelmäßig, auch nach "Liebe Dich. . .", bei Projekten zusammengearbeitet - bevor sie wieder ins Saarland zog. Nicht der Liebe zur alten Heimat, sondern der Arbeit wegen. "Dokumentarfilme zu drehen, ist mit Familie schlecht zu vereinbaren", sagt sie, "zwei Freischaffende in der Familie sind zu viel." Engels Lebensgefährte ist Lichttechniker beim Film, das gemeinsame Kind drei Jahre alt. Zurzeit arbeitet sie in Dillingen als Kunstlehrerin, für immer soll das nicht sein, langfristig zieht es sie wieder nach Berlin. Pläne für einen nächsten Film gibt es: über Sexulität bei Behinderten, nicht nur ein filmisches, sondern ein gesellschaftliches Tabu. Da wird die Finanzierung wohl nicht leichter als bei "Liebe Dich...".



"Liebe Dich. . ." läuft am 4. und 5. Mai im Kino Achteinhalb, jeweils um 20 Uhr. Sabina Engel und Sylvie Banuls kommen zur Diskussion. Infos im Internet:

www.filmbuero-saar.de

Sabina Engel (links), Moritz Höhne und Angela Winkler, deren Tochter beim Theater RambaZamba spielt. Foto: Engel
Sabina Engel (links), Moritz Höhne und Angela Winkler, deren Tochter beim Theater RambaZamba spielt. Foto: Engel