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Feind, Todfeind, Parteifreund: Clooneys Polit-Krimi in Venedig

Venedig. Den Hinweis hätte es nicht gebraucht. "Ich bin nicht George Clooney" stand auf dem T-Shirt eines Filmfestivalbesuchers in Venedig. Was ihm dazu alles fehlte, konnte man später beim Original erleben, als Clooney in der Pressekonferenz auftauchte: blendendes Gewinnerlächeln, schnurrende Stimme, smartes Auftreten

Venedig. Den Hinweis hätte es nicht gebraucht. "Ich bin nicht George Clooney" stand auf dem T-Shirt eines Filmfestivalbesuchers in Venedig. Was ihm dazu alles fehlte, konnte man später beim Original erleben, als Clooney in der Pressekonferenz auftauchte: blendendes Gewinnerlächeln, schnurrende Stimme, smartes Auftreten. Als Regisseur und Hauptdarsteller seines viertes eigenen Films "The Ides of March" saß er auf dem Podium und wurde für seinen Politthriller, der gestern das älteste Filmfestival eröffnete, von den Journalisten bejubelt. Clooney erzählt eine Geschichte in den letzten Tagen vor einer Präsidentschaftsvorwahl in Ohio. Ryan Gosling verkörpert darin glänzend einen idealistischen Mitarbeiter des Demokraten-Wahlkampfteams eines Präsidentschaftskandidaten (Clooney), der zwischen die innerparteilichen Intrigenfronten gerät. Der Film wirft einen desillusionierten Blick auf den Polit-Zirkus, der zum Schluss sämtliche Wahlkampf-Phrasen seltsam leer klingen lässt. Clooney selbst macht als Präsidentschaftskandidat eine derart überzeugende Figur, dass der politisch engagierte Star bei der Pressekonferenz gefragt wurde, ob er nicht selber einmal als US-Präsident kandieren wolle. "Barack Obama ist smarter, netter und hat mehr Mitgefühl als die meisten anderen Menschen", sagte Clooney. "Er regiert aber zu einer schwierigen, unmöglichen Zeit und es gibt keinen Grund, warum ich mit ihm tauschen sollte.""The Ides of March" konkurriert mit 22 weiteren Beiträgen um den Goldenen Löwen und die Gunst der siebenköpfigen Jury unter Vorsitz von Regisseur Darren Aronofsky. "Wir nähern uns mit Offenheit und ohne Vorurteile dieser Aufgabe", sagt der Jury-Präsident, der in Venedig für "The Wrestler" 2008 den Goldenen Löwen bekam. Welche Maßstäbe legt er für einen Gewinnerfilm an? "Er soll mich emotional und intellektuell berühren." Nach diesen Kriterien empfiehlt sich Clooneys starker Beitrag in beiderlei Hinsicht für höhere Löwenweihen. ret