FC Palatia Limbach blickt zurück und hofft bald wieder auf den Fuballplatz zu können

Fußball-Verbandsliga : Palatia muss Gürtel enger schnallen

Fußball-Verbandsligist ist für Saisonabbruch. Der Verein bewegt sich zwischen Erinnerung und Krisenbewältigung.

Noch immer ruht der Betrieb auf der Anlage des FC Palatia Limbach. Seit gut acht Wochen bleiben Rasen- und Kunstrasenplatz sowie das Sportheim mit seinem großen Versammlungssaal leer. Die drei aktiven Fußballteams, drei AH- und 14 Jugendmannschaften mit 240 Nachwuchsspielern müssen mit dem Trainings- und Spielbetrieb warten. Ebenso die Gaststätten-Gäste. „Geselligkeit und das Zugehörigkeitsgefühl zu unserem Ort wird in unserem Verein, neben dem aktiven Fußballsport, groß geschrieben“, sagt der Palatia-Vorsitzende Dirk Schmidt. „So etwas hat es in der über 100-jährigen Vereinsgeschichte, mit Ausnahme während der beiden Weltkriege, noch nie gegeben.“ Die Situation sei bitter. „Aber die Maßnahmen, die getroffen wurden, um die Corona-Pandemie einigermaßen in den Griff zu bekommen, sind richtig. Die Gesundheit steht als oberstes Gebot im Vordergrund, der Fußballsport muss da hinten anstehen.“

Einig ist sich Dirk Schmidt mit seinen Vorstandskollegen, Trainern und Spielern, dass die immer noch unterbrochene Saison 2019/20 abgebrochen werden soll. „Das hat überhaupt keinen Sinn, irgendwann weiter zu spielen. Seit Wochen ist der Trainingsbetrieb unterbrochen. Die Zeit bis zum 30. Juni wird ja immer kürzer. Das kann nicht mehr funktionieren“, sagt Patrick Gessner, Trainer des Verbandsligateams, das zurzeit auf Platz sieben in der Nordost-Staffel liegt. „Solche Maßnahmen, wie sie nun für die Fortsetzung der Bundesligen notwendig sind, sind bei den Amateurvereinen überhaupt nicht denkbar“, betont Gessner. Dirk Schmidt, Vorsitzender für den Bereich Finanzen und Spielbetrieb, pflichtet dem Coach bei. „Es wird ein hartes Jahr, auch für die Palatia.“ Finanziell könne Limbach die fehlenden Einnahmen aus dem Sportheim, die immerhin 40 Prozent des Jahresbudgets ausmachten, aus den Eintrittsgeldern und dem bereits abgesagten Sportfest im Juli noch irgendwie verkraften. „Aber den Gürtel werden wir schon enger schnallen müssen“, hofft Schmidt, dass der Club im Zuge der nun leichten Lockerungen für die Öffnung von Gaststätten und Restaurants auch bald unter bestimmten Voraussetzungen im Vereinssportheim wieder Gäste empfangen darf.

 650 Mitglieder hat der FC Palatia Limbach, der mitten im Ersten Weltkrieg am 23. Juli 1916 gegründet wurde. Walter Kort hieß der erste Vorsitzende des Vereins, der inzwischen von den Mitgliederzahlen einer der größten Vereine im Saarpfalz-Kreis ist. Bereits drei Jahre nach der Gründung wurde die erste Meisterschaft gefeiert. Von der B- stieg die Palatia in die A-Klasse auf. Gespielt wurde im Taubental. Doch die Entfernung zum Dorf war zu groß und so folgte 1922 der Umzug ins Wäldchen, dem heutigen Standort der Palatia. Vier Wiesen wurden gekauft, auf denen ein neuer Fußballplatz gebaut wurde. Immer wieder Höhepunkte im Spielkalender waren die Derbys gegen die Nachbarvereine aus Altstadt und Kirkel. In den 30er Jahren stand der FC vor finanziellen Problemen. Auch die politische Lage wurde schwieriger, sodass man sich 1973 zum Zwangszusammenschluss mit dem TV Limbach und dem Schützenverein entschloss – zum Turn- und Sportverein Palatia Limbach. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde am 7. April 1946 der SV 1945 Limbach gegründet. Neben der Fußballabteilung gab es damals Gesangs-, Theater-, Kegel- und Tischtennisabteilungen. In den folgenden Jahrzehnten ging es sportlich auf und ab. Auf dem Palatia-Gelände wurde fleißig gebaut.

Unter dem Ex-Bundesligaprofi Heinz Henkes stieg die erste Mannschaft im Mai 1987 in die Bezirksliga auf. 2000 Zuschauer kamen zum Aufstiegsspiel gegen den SV Steinbach. 2014 wurde der Sprung in die Landesliga geschafft. Inzwischen spielt der Club in der Verbandsliga Nordost, der zweithöchsten saarländischen Amateurliga.

 Ein Palatia-Spieler schaffte den Weg weit über die Ortsgrenzen von Limbach hinaus. Uwe Freiler begann einst als Jugendkicker in Limbach. Der saarländische Jugend-Auswahlspieler wurde von Albert Müller, Trainer des FC Homburg, entdeckt und zu den Grün-Weißen geholt. Als 17-Jähriger spielte er nicht nur bei den A-Junioren, sondern in der zweiten und ersten Mannschaft des FCH, die damals in der Oberliga Südwest auflief. Uwe Freilers Tore hatten maßgeblichen Anteil am Aufstieg der Homburger in die 2. und 1. Bundesliga 1986. Zwei Jahre spielte Uwe Freiler mit dem FC Homburg in Liga eins, mit insgesamt 16 Treffern für den FCH gehörte er zu den besten Torschützen. Nach dem Abstieg wechselte er zu Waldhof Mannheim, wo er in seiner zweiten Saison sogar vor einem Wechsel zu Borussia Dortmund stand. Ein Kreuzbandriss verhinderte dies kurz vor Vertragsabschluss. Nach seiner auskurierten Verletzung spielte Freiler noch bis 1993 für Waldhof Mannheim, ehe er zum FC Homburg zurückkehrte. Über den FK Pirmasens kam er zurück zu seinem Heimatverein Palatia Limbach, für die er die Saison 2003/04 noch in der Verbandsliga spielte. Freiler war fünf Jahre Trainer der ersten Limbacher Mannschaft, später dann im Vorstand tätig und ist auch Jugendtrainer.

 Rudi Klaus, Vorsitzender Marketing/Öffentlichkeitsarbeit, ist stolz auf die Jugendarbeit seines Vereins. „Wir haben alle Jugendklassen mit eigenen Spielern besetzt.“ 240 Nachwuchskicker von den Bambinis bis zu den U19-Junioren sind am Ball. Der FC Palatia Limbach wurde bereits vielfach für seine Nachwuchsarbeit ausgezeichnet und ist zudem DFB-Stützpunkt für den Jugendfußball. Die U19 führt die Tabelle der Verbandsliga Saar an. Sie könnte nun in die Regionalliga Südwest aufsteigen. Klaus: „Darauf werden wir aus finanziellen und organisatorischen Gründen aber verzichten.“ Trainer dieser U19 sind Uwe Freiler und Tim Mohr.