Narrenschau 2020 mit 1100 Besuchern trotz Sturmtief Sabine

Kostenpflichtiger Inhalt: Narrenschau 2020 : Fast 1100 Narren trotzten Sturmtief „Sabine“

Ministerpräsident Tobias Hans konnte wegen des Sturms nicht dabei sein. Die übrigen Besucher feierten sechs Stunden lang Faasend.

Draußen tobte Orkantief „Sabine“, in der Industrie-Kathedrale „Alte Schmelz“ setzte der Narrensturm ein. Fähnchen flatterten, die Garden wirbelten über die Bühne. „Echte Karnevalisten kann nichts erschüttern“, stand für die Tänzerinnen Michelle und Maike fest. Und so blieben trotz Unwetterwarnung nur wenige der 1100 Plätze leer. Die Saarländische Narrenschau versprach am Sonntag einen „Streifzug durch die saarländische Faasenacht“ mit 300 Aktiven auf der Bühne, so Sitzungspräsident Stefan Regert. Mit einem Loblied an die fünfte Jahreszeit eröffnete das musikalische Prinzenpaar des Jahres, Prinz Niclas I. und Prinzessin Carina I., den närrischen Marathon.

Die anwesenden saarländischen Politiker, darunter Gesundheits-Ministerin Monika Bachmann (CDU) im OP-Outfit, bekamen nur wenig Fett weg. Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) musste nach Berlin reisen und deshalb kurzfristig absagen. Und statt Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die in den Vorjahren als Putzfrau in die Bütt stieg, meldeten sich dieses Jahr zwei andere Akteure zu Wort: Die Klofrau und der Hausmeister, Monika und Erich Meyer, die nicht nur auf der Bühne Silberhochzeit feierten, sondern auch im wahren Leben ein Paar sind.

Als Ersatz für AKK hatte der VSK „einen anderen Narren am Start, der Insight und Geheimnisse der Politik hat parat“: Dass Präsident Hans-Werner Strauß diese Rolle als „Chef vom Protokoll“ übernahm, war für viele Verbands-Mitglieder eine Überraschung. „Mancher Karnevals-Verein wäre froh, wenn er von der Hälfte des Geldes eine anständige Halle hätte“, prangerte er die Kosten-Explosion beim Umbau des Ludwigsparks an.

Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) erschien stilecht im OP-Kittel – und legte mit Stethoskop und Handschuhen Wert auf Details. Foto: BeckerBredel

Das Narrenschau-Programm vereinte Premieren und Abschiede, Stammgäste und junge Talente auf einer Bühne. Zu diesen gehörten „Die Pupertiere“ der KG „Die Nassauer“: „Jetzt kommt die Jugend – zieht Euch warm an“, verkündeten so Selina Gorek und Laura de Bernardo, die ein ambitioniertes Ziel haben: die Weltherrschaft. Redebeiträge steuerten zudem „Der Dummschwätzer“ Thomas Woll, „De Läädisch“ Joachim Moser und Christian Lauer als Saar-Türke Murat mit Lyoner- statt Dönerspieß bei. Neben ihm gehörte auch der Auftritt von Klaus Reichard als „De Wuschd“ zu den vom Publikum gefeierten Höhepunkten. Getreu seinem Slogan „Ich bin so gern dehemm… fort“ erzählte er von seinen Erlebnissen.

Umwelt- und Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) hatte sichtlich Spaß. Foto: BeckerBredel

Für im wahrsten Sinne ausgezeichnete tänzerische Leistungen sorgten die Garden der verschiedenen Vereine. Zu ihnen gehörten die mehrjährigen Saarlandmeister von der KG „Humor Merzig“. Während sie auf traditionelle Marschklänge setzten, bevorzugten „Die Sandmenschen“, die die britische Queen auf Brexit-Kreuzfahrt schickten, moderne Klänge. Und auch die „Männergardisten“ überzeugten mit Hebefiguren, Sprüngen und schwungvollen Beinwürfen. Das erfolgreiche Tanzmariechen Emily Diener wirbelte dagegen zum letzten Mal über die Bühne: Sie feierte ihren Abschied.

Zwischendurch heizte immer wieder die „Haus- und Hofband“ des VSK, „Die Konsorten“, dem feierfreudigen Publikum ein. Polonaisen zogen durch den Saal. Von den „Betschbacher Buben“ bis zu den „Poweischissern“ wurden immer wieder Oden auf das Saarland angestimmt. Travestie-Künstler Nico Heib lud zu einer Reise in die Neue-Deutsche-Welle-Ära ein, die Gruppe „Tinnitus“ holte mit „Steh auf, mach laut“, noch mal alles aus dem Publikum heraus. Mit dem Männerballett der KV „Rot Weiß Losheim“, das auf eine „Reise zu den Göttern“ ging, endete der rund sechsstündige Streifzug durch die saarländische Faasenacht.

Die Saarländische Narrenschau wir am kommenden Montag, 20.15 Uhr, im SR Fernsehen ausgestrahlt.