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Die Rathäuser in Dillingen und Saarlouis sind gefallen

Kostenpflichtiger Inhalt: Faasend : Saarlouis und Dillingen sind gefallen

Weder Panzerknacker Peter Demmer noch Zorro Franz-Josef Berg hatten eine Chance.

Das war fürwahr ein gelungener Überraschungscoup: Oberbürgermeister Peter Demmer fühlte sich in seiner hermetisch abgeriegelten Rathaus-Trutzburg ausgesprochen sicher, zumal er im Gewand eines Panzerknackers leere Kassen signalisierte, aber da hatte der bestens getarnte Verwaltungschef die Rechnung ohne die vereinigten närrischen Heerscharen von den Picarda Fräsch, der LiGeka, der Faasend-Rebellen vom Steinrausch, der GKG Fraulautern, vom SKC de Boules und Karo Blau Gold Roden gemacht. Auf dem Kleinen Markt sammelten und vereinten sie sich, um dann als schlagkräftiges Narrenheer gemeinsam zusammen mit dem Lauterer Artilleriekorps und deren lautstarker Kanone sowie den Fanfarenzügen Neuforweiler und Ensdorf zielstrebig auf das Saarlouiser Rathaus zuzusteuern. Bürgermeisterin Marion Jost hatte bereits die Flucht angetreten, als unter der Koordination von VSK-Präsident Werner Strauß Ramona Symanek mit Sohn Sören, Peter Gindof, Michael Schleich, Lea Wilhelm und Bernd Schleich zur gemeinsamen Attacke bliesen. Aber selbst angesichts der großen Zahl der Saarlouiser Narren, der zahlreichen Garden und der drei Prinzenpaare fühlte sich Chef-Panzerknacker Peter Demmer in seinem abgeriegelten Verwaltungssitz immer noch ausgesprochen sicher. Aber dann zauberte das Prinzenpaar Florian und Natalie die richtigen Helfer aus dem Hut. Die Drehleiter des Löschbezirks Ost der Saarlouiser Feuerwehr rückte mit Blaulicht und Martinshorn an, um den Saarlouiser Oberbürgermeister im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Amt zu heben. Prinz Florian, selbst gelernter Feuerwehrmann, und seine Natalie ließen es sich nicht nehmen, den Saarlouiser OB höchstpersönlich in den Korb der Saarlouiser Drehleiter zu hieven. Unten wurde das Trio dann bereits von den drei Kinderprinzenpaaren Deniz und Talisa, Mattis und Tiana sowie Feldmarschall Miro nebst seiner Prinzessin Selina in Empfang genommen und in die Gewölbe der Saarlouiser Rathausburg abgeführt.

Der Rathauschef der Hüttenstadt ist wahrlich „ein armer Held“. Gleich drei Stürme musste er in den letzten zehn Tagen über sich ergehen lassen. Auf „Sabine“ und „Annegret“, die ihn völlig unerwartet trafen, folgte am Fetten Donnerstag der Rathaus-Sturm der Dillinger Narren unter Führung der KG Päther Dickkäpp. Zumindest darauf konnte sich Bürgermeister Franz-Josef Berg vorbereiten, gehört doch die Veranstaltung fast schon zum kulturellen Erbe der Hüttenstadt.

Trotzdem schien er auf dem Rathaus-Balkon etwas überrascht: „Watt machen ihr loh dann for en Bohei?“, fragte er die Narren, merkte dann aber schnell, „die Dummbeideln kummen lej gleich rinn“. Als US-amerikanische Kultfigur „Zorro“ Berg, auch berühmt als „Held der Armen“, wollte er mit Unterstützung seiner letzten Getreuen das verarmte Rathaus verteidigen. Aber selbst die schwarze Maske (eine „rote“ wäre wohl weder Filmhistorisch noch politisch korrekt gewesen), hinter der er sich versteckte, noch der fein ausgeklügelte Plan halfen.

Die Übermacht der Widersacher, die das Rathaus schon am frühen Nachmittag belagerten, war einfach zu stark. Die Pähter Dickkäpp, angeführt vom Prinzenpaar Dirk I. und Sabine II. hatte Unterstützung von den Dillinger Salokinesen, aus Diefflen sowie aus der Partnerstadt Creutzwald. Sogar der Präsident der Saarländischen Karnevalsvereine (SKV), Hans-Werner Strauß war während seiner närrischen Tournee durchs Saarland erstmals in Dillingen.

Partnerschaft auch im Karneval: Mit einem großen Wagen war eine Abordnung aus der Partnerstadt Creutzwald beim Dillinger Umzug vertreten. Foto: ajk
Das hätte sich OB Peter Demmer nicht träumen lassen. Er wird mit dem „Leiterwagen“ der Feuerwehr aus seinem Amt gehoben. Foto: Ruppenthal

Nach einem kurzen Schlagabtausch gelang ihnen die Machtübernahme, Zorro musste für die närrischen Tage die Rathausschlüssel abgeben und wurde im Karzer abgeführt. Sein Volk aber schien alles andere als betrübt, denn als der bunte Gaudiwurm mit den rund 30 Gruppen und Wagen durch die Stadt zog, herrschte überall am Wegesrand eine prächtige Stimmung. Sogar in Zorro Bergs Heimat, im Stadtteil Pachten, wird aus gewöhnlich gut unterrichteten Quellen berichtet. In der dortigen Römerhalle soll das Narrenvolk den Sieg noch bis in die Nacht hinein ausgelassen gefeiert haben. Die besten Wagen und Fußgruppen aus dem Gaudiwurm wurden sogar für ihr erfolgreiches Mitwirken bei der Machtübernahme prämiert.