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Buntes Treiben bei den Gresen in Saarwellingen

Kostenpflichtiger Inhalt: Faasend : Buntes Treiben bei den Greesen

An diesem Tag geht es in Saarwellingen neben dem ausgelassenen Feiern immer auch um das Bewahren einer alten Tradition.

Von weitem verkündet auf dem Schlossplatz der Narrenbaum mit seinen Wurzeln, die in den Himmel ragen, den Höhepunkt der Saarwellinger Straßenfastnacht. Seit drei Jahren, erklärt Norbert Müller-Adams, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, wird dieses neue Wahrzeichen aufgestellt. Sehr viel älter ist die Tradition der Greesen, jene alten Damen, die zur Weiberfastnacht in Saarwellingen gleich scharenweise mobil machen.

Ob Regen oder Sonnenschein, was eine echte Greese ist, kennt am Fetten Donnerstag nur ein Ziel: das Wellinger Rathaus. Gemeinsam mit den Karnevalsvereinen aus Saarwellingen, Reisbach und Nalbach zogen sie gestern Vormittag Richtung Rathaus. Mittendrin: Maria Karrenbauer aus Schwalbach. „Ich komme seit etwa 15 Jahren jedes Jahr nach Saarwellingen, weil es einfach so viel Spaß macht. Obwohl ich kaum noch laufen kann, ich muss einfach her“, sagt die 83-Jährige und lacht. Mitgebracht hat sie ihre Tochter Elke Spies. Auch für die Ensdorferin ist der Greesentag ein Höhepunkt, den sie nicht verpassen will.

Zum ersten Mal beim Umzug als Greese dabei ist die neun Jahre alte Anika aus der Nähe von Wittlich. Ihre Eltern stammen aus Saarwellingen, sie findet es einfach toll, die Tradition mitzumachen. So sieht es auch Lea, zehn Jahre. „Ich finde es total witzig, als alte Frau hier mitzugehen“, lacht sie. Dass längst nicht nur Frauen unter den Masken verborgen sind, weiß der neun Jahre alte Luca aus Saarwellingen. „Ich finde das echt gut, dass ich heute mit der Maske als Greese beim Umzug mitgehen kann“, sagt er.

Eine Maske, wie er sie trägt, haben die Damen vom Greesenclub nicht, wohl aber eine Teilmaske. Bereits die, verrät Monika Blass-Stein aus Saarwellingen, kann dazu führen, dass man die Frauen kaum erkennt. „Als Greese braucht man gute Laune und Durchhaltevermögen“, betont sie. Seit mehr als 20 Jahren zieht sie als Greese los, der Greesenclub wurde 2003 gegründet.

Zusammen mit Heidi Detzler und Trudi Mißler führt Monika Stein-Blass in den Dresscode für Greesen ein. „Man braucht einen langen Rock, eine Bluse mit einer Chemisette, eine Chenille-Weste und einen Kapotthut, bei dem eine Aussparung für den Dutt gelassen wurde“, erklärt sie. „Ganz wichtig ist auch die Plätsch, damit halten wir die Männer auf Trab“, ergänzt Heidi Detzler fröhlich.

Während ihr Mann bei der Arbeit ist, steht Monika Blass-Steins Mann in der Küche und kocht einen großen Topf Suppe. Überhaupt finden sich recht wenige Herren unter den Gästen – und wenn, machen sie Musik bei der Harmonie Saarwellingen, stehen, wie Philipp Getto als Moderator auf der Bühne oder sind an der Seite ihrer Lieblichkeit Prinzessin Lisa I. der Prinz der Wellinger Narrenschar.

Maria Karrenbauer, rechts, ist mit 83 Jahren immer noch gerne am Greesentag unterwegs, begleitet wird sie von Tochter Elke Spies. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Die Damen vom Greesenclub halten die Tradition seit vielen Jahren aufrecht. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel

Nach Marschtänzen und Greesenlied war es schließlich an der Prinzessin, dem Bürgermeister eine letzte Chance zur Flucht einzuräumen. Von ihm, das fiel den Narren schnell auf, fehlte am Morgen jede Spur. „Wir greifen nach der Macht noch ehe die Sterne am Himmel stehen“, erklärte die Prinzessin. Danach zogen sich Greesen und Narren zur Stärkung in die Gastronomie zurück, mit dem festen Versprechen, das Schlafhaus am Abend einzunehmen.