200. Geburtstag von Gouvy: Konzerte in Saarlouis und Wallerfangen

Ein großer Musiker kehrt zurück : Ganze Pianisten-Klasse reist an

Allmählich findet Théodore Gouvy seinen wirklichen Platz in der regionalen Musikgeschichte. Zwei brillante Konzerte der Festwoche zu seinem 200. Geburtstag finden im Kreis Saarlouis statt. Uraufführung und eine ganze Pianisten-Klasse inklusive.

„Auch wenn ihn hierzulande immer noch einige nicht genug kennen oder unterschätzen: Théodore Gouvy war wohl tatsächlich der anerkannteste Komponist, den die Saar-Region je hatte, gefeiert vom Publikum in Paris, Berlin, Köln und Leipzig, gedruckt von den größten Musikverlagen Frankreichs und Deutschlands, geehrt von den Akademien beider Länder, dem Institut des Beaux-Arts in Paris und der Preußischen Akademie der Künste“, versichert der Saarlouiser Musik-Fachmann Joachim Fontaine. Am 3. Juli jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des Romantikers Théodore Gouvy. Er wurde im heutigen Schafbrücke geboren und starb 1898 in Leipzig.

Eine ganze Festwoche um den 200. Geburtstag am 3. Juli ehrt nun den Komponisten. Die Schirmherrschaft für die Veranstaltungsreihe hat der saarländische Kultusminister Ulrich Commerçon übernommen. An zwei Tagen finden Konzerte in diesem Rahmen in Saarlouis und Wallerfangen statt, die meisten übrigen in Saarbrücken.

Den Auftakt am Sonntag, 30. Juni, machen Vokalwerke und Orgelmusik um 10 Uhr innerhalb des Gottesdienstes in der evangelischen Kirche Saarlouis und als Konzert um 17 Uhr in der katholischen Kirche St. Katharina in Wallerfangen.

Die Kantorei Saarlouis wird dort drei Motetten aufführen, zu denen Gouvy inspiriert wurde von Texten des Dichters und Philosophen Jean Jacques Rousseau. Gouvys Jahrhundert entdeckte in der Begeisterung des Historismus auch sein nationales Erbe neu, dazu zählten auch die vom katholischen Humanismus und Naturliebe beseelten Texte Rousseaus, die in den Jahren nach der Revolution und der Abkehr von der Kirche als spiritueller Reichtum neu entdeckt wurden.

Erstmalig zur Aufführung kommt in diesem Konzert die Messe d-moll des Gouvy-Zeitgenossen Peter Cornelius. Fontaine: „Auch Cornelius, der zu den großen Namen der deutschen Romantik zählt, besuchte zu Lebzeiten Gouvys regelmäßig unsere Region, denn er hatte, was die wenigsten wissen, Verwandtschaft in Wallerfangen. Dort entstand während seiner häufigen auch längeren Besuche seine Messe d-moll.“ Joachim Fontaine hat das Werk mit Unterstützung der Peter-Cornelius-Archivs Mainz neu in Partitur herausgegeben. Eine Neu-Edition der Partitur wurde durch die Unterstützung des Lionsclubs Saarlouis möglich.

Sylvain Teutsch (rechts, neben Prof. Dr. Peter Moll) verdankt sich die Wiederentdeckung des Komponisten Théodore Gouvy. Foto: Robby Lorenz

Für den Orgelpart in diesem Konzert steht in Wallerfangen eine der wertvollsten historischen Orgeln der Region bereit, gespielt von Prof. Andreas Rothkopf, der das vokale Programm durch zeitgenössische Orgelwerke der Romantik ergänzt.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Konzert mit kompletter PIanisten-Klasse

Eine weitere Kostbarkeit wartet am Mittwoch 3. Juli, 20 Uhr, in der evangelischen Kirche Saarlouis: ein Klavierabend mit der ganzen Klavier-Meisterklasse von Prof. Thomas Duis, Hochschule für Musik Saar. Das sind Mathis Abbing, Alexander Baier Matheus Ferrari-Pereira, Lisa Glaser, Leon He, Li Yun Hsu, Jiyeon Kim, Eunbyoul Ko, Zhaobo Peng, Martina Rommel, Jonas Stark, Francesco Torsello, Samuel Waffler, Gardy Wu und Shikun Zhang.

Die 13 angehenden Konzertpianisten ehren den Komponisten Gouvy, indem sie seine Vingt Sérénades als Integrale Erstaufführung präsentieren. Integral nicht nur in diesem Konzert erstmals live darbieten werden, sondern auch auf CD aufgenommen haben – in Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Rundfunk und unterstützt durch den Lionsclub Saarlouis.

Was die Walzer und Nocturnes für Chopin, die Impromptus für Schubert und die Klavierstücke für Brahms, das waren für Théodore Gouvy seine Sérénades, sagt Fontaine. „Er hat diese einsätzigen Charakterstücke zeit seines Lebens komponiert, die musikalisch dichten Miniaturen spiegeln insofern wie kaum eine andere Gattung die verschiedenen Einflüsse pianistischer Kunst in Frankreich und Deutschland. Angefangen in Paris, wo Gouvy um 1850 seine ersten Konzerte veranstaltet, bis zum Ende seiner Karriere hat er insgesamt 20 Sérénades geschrieben, die er später als Gesamtzyklus neu herausgab.“

Wiederentdeckung

Die Wiederentdeckung des Komponisten verdankte Anfang der 1990er Jahre erst paradoxerweise seiner Totenmesse, einem symphonischen Requiem, das zufällig wiederentdeckt wurde. Die CD-Einspielung dieses Werks, es wurde eine der meist verkauften CDs in Frankreich, setzte die Renaissance in Gang, mit etlichen Neueinspielungen (viele davon mit Preisen bedacht), wissenschaftliche Kolloquien, Neu-Editionen und Gründungen von Gouvy-Gesellschaften auch außerhalb Frankreichs.

Saarbrücken und Hombourg-Haut, und mit ihnen das Dreiländereck unserer Region liegen bis heute im Zentrum dieser Renaissance, die immer wieder befeuert wurde durch das Institut Gouvy in Hombourg-Haut und dessen Gründungsdirektor Sylvain Teutsch.

Viele Unterstützer

Gefördert werden die Konzerte zum 200. Geburtstag von Gouvy durch zahlreiche Institutionen und Vereinigungen, insbesondere den Saarländischen Rundfunk, das saarländische Ministerium für Kultur, die Landeshauptstadt Saarbrücken, die Hochschule für Musik Saar, das Institut Gouvy Hombourg-Haut, die Evangelische Kirchengemeinde Saarlouis, die Katholische Kirchengemeinde St. Katharina Wallerfangen und den Lionsclub Saarlouis. Im Rahmen der Konzerte werden fünf Welt-Erstaufführungen geboten.

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