| 21:07 Uhr

Expressives Finale der Homburger Meisterkonzerte

Homburg. Die Meisterkonzert-Saison ging am Donnerstag im Homburger Saalbau mit einem wahren Kraftakt zu Ende. Die junge russische Pianistin Anna Vinnitskaya brachte ein russisches Programm mit, das ihrem energischen, mitunter gnadenlos harten Anschlag entgegenkam. Interessant war die Begegnung mit der kurzen 10 Von SZ-Mitarbeiter Helmut Fackler

Homburg. Die Meisterkonzert-Saison ging am Donnerstag im Homburger Saalbau mit einem wahren Kraftakt zu Ende. Die junge russische Pianistin Anna Vinnitskaya brachte ein russisches Programm mit, das ihrem energischen, mitunter gnadenlos harten Anschlag entgegenkam. Interessant war die Begegnung mit der kurzen 10. Sonate von Nikolai Karlowitsch Medtner, die stilistisch unentschlossen, larmoyant und kleingliedrig wie das Seelenabbild des in den Westen Emigrierten wirkte. Landsmann und Zeitgenosse Sergej Prokofjew stieß mit weitaus mehr Profil entschlossen in Neuland vor. Seine 7. Sonate spiegelt die Wut und Verzweiflung wider, die die Invasion 1941 ausgelöst hatte. Wütend stampfen und toben die perkussiven Ecksätze und auch das Andante vermag die Illusion einer friedlichen Insel nicht erfüllen. Da war Technik gefragt. Die Pianistin hatte sie. Wer sich an Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" wagt, muss seine Technik nicht nur fürs Virtuose, sondern auch für Emotion, Farbigkeit und weit gespannte Dynamik einsetzen. Da wird die junge Russin noch reifen können, damit sich nach der doch etwas unsauberen "Hütte der Baba Yaga" das "Große Tor von Kiew" zur fulminanten Pedal-Orgie auftun kann. Dass Anna Vinnitskaya durchaus auch filigrane Poesie kann, zeigte sie in Zugaben aus der Feder von Maurice Ravel. Die schmeichelten dem Ohr und begeisterten die Zuhörer in Homburg.