Eurodata macht das Netz zum Aktenschrank

Eurodata macht das Netz zum Aktenschrank

Das Saarbrücker Software-Haus Eurodata wird dieses Jahr 50 und ist damit ein Methusalem in der schnelllebigen Branche der IT-Unternehmen. Mit sicheren Cloud-Lösungen liegt Eurodata jedoch im Trend.

Das Saarbrücker Software-Haus Eurodata verschafft den Steuerberatern Platz in ihren Büros. "Aktenschränke und Hängeordner mit Mandanten-Unterlagen gehören bald der Vergangenheit an", sind die Eurodata-Vorstände Uwe Richter (Vorsitzender) und Dieter Leinen überzeugt. Das IT-Haus, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert und damit zu den ältesten Firmen in dieser Branche zählt, schaufelt alles, was bisher noch in Papierform abgelegt wurde, in die "Wolke" - also in eine Cloud. In diesem Fall ist das ein Hochleistungs-Rechenzentrum, das allerdings nicht irgendwo betrieben, sondern als eigenes Rechenzentrum am Firmenstandort in Saarbrücken-Güdingen.

"Von der Lohnabrechnung über die belegorientierte Finanzbuchhaltung, den Jahresabschluss, die Steuern und die kanzleieigene Rechnungsverwaltung (Faktura) - all das wird in unserem Rechenzentrum geführt, und die Belege werden digital abgelegt", sagt Christof Kurz, der bei Eurodata für diesen Geschäftsbereich verantwortlich ist. "Der Austausch und die Bearbeitung der Daten werden über das Internet abgewickelt, allerdings mithilfe speziell gesicherter Netze". Jede Buchung sei mit dem entsprechenden Beleg verbunden, der zuvor eingescannt wird.

Da viele Steuerberater für ihre Mandanten auch die Lohnabrechnung machen und hier besonders viele Belege anfallen, hat das Software-Haus eine Web-basierte Standardlösung entwickelt, die seit Mitte des Jahres auf dem Markt ist. "Mit ihr können Steuerberater und Lohnbüros zusammen mit den Mandanten nicht nur digitale Lohn-, sondern in der nächsten Stufe auch Personalakten anlegen", erläutert Kurz. Dort würden zum einen die Daten verarbeitet und mit Belegen hinterlegt, die für die monatliche Abrechnung unerlässlich seien, wie zum Beispiel die Stundenübersicht. Der Arbeitgeber erhalte allerdings auch einen eigenen Bereich, in den er Informationen über die Mitarbeiter ablegen kann, die für die Entgeltabrechnung nicht relevant sind - wie beispielsweise Prüfungszeugnisse oder Entwicklungsprofile. Mit Hilfe von Administratorenrechten könne sichergestellt werden, dass die Daten nicht in die falschen Hände geraten, betont Kurz.

Über das Eurodata-Rechenzentrum laufen nach Angaben der Vorstände Richter und Leinen schon heute die Entgelt-Abrechnungen für 340 000 Arbeitnehmer. Rund 2500 Steuerberater in Deutschland sind inzwischen Kunden von Eurodata oder ihrer Tochter, der hdm-software AG in Andechs (Oberbayern). Direkte Wettbewerber im Bereich Steuer-IT sind die Software-Häuser Datev und Eddison.

Der Bereich "Lösungen für Steuerberater " umfasst bei Eurodata mehr als 45 Prozent des Geschäftsvolumens. Umsatzbringer Nummer zwei mit mehr als 35 Prozent ist die Sparte Handelsnetze. Dieses Geschäft hat sich aus dem Eurodata-Ursprung entwickelt, als das Unternehmen Mitte der 1960er Jahre begann, Software-Lösungen für Tankstellen zu entwickeln. Die Pächter konnten sich erstmals mit Hilfe der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) ein Bild ihrer Umsatz- und Ertragssituation verschaffen - und das zeitnah. Heute ist daraus ein Kennzahlen-Baukasten für Unternehmen geworden, die mehrere Filialen betreiben. Bei den Tankstellen kann beispielsweise analysiert werden, wie sich der Shop- im Vergleich zum Tankumsatz entwickelt. "Diese Plattform haben wir auf andere Branchen wie beispielsweise Autohäuser, den Lebensmittel-Einzelhandel oder die System-Gastronomie ausgeweitet", sagen die Vorstände.

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HintergrundDas Saarbrücker Software-Haus Eurodata, das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, beschäftigt etwa 500 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro. Das familieneigene Unternehmen ist in zehn Ländern mit mehr als 15 Gesellschaften vertreten. Neben Lösungen für Steuerberater und Handelsnetze bietet Eurodata weitere Dienstleistungen rund ums Internet. Dafür ist auch die Tochter Infoserve zuständig, die 2015 ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Die IT-Sicherheit werde durch das eigene Rechenzentrum in Saarbrücken-Güdingen sichergestellt und die Entwicklung des Internet-Auftritts "wird auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten", heißt es in einer Mitteilung. Infoserve beschäftigt 40 Mitarbeiter. low