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EU verhängt Rekordbußgeld für Intel

Brüssel/Santa Clara. Die EU belegt den weltgrößten Chiphersteller Intel wegen Marktmissbrauchs mit einem Rekordbußgeld von 1,06 Milliarden Euro. In den knapp zweijährigen Ermittlungen habe sich der Verdacht illegaler Zahlungen und Rabatte bestätigt, mit denen der Konzern den viel kleineren Konkurrenten AMD ausbremsen wollte. Intel kündigte an, gegen die Entscheidung vor Gericht zu gehen

Brüssel/Santa Clara. Die EU belegt den weltgrößten Chiphersteller Intel wegen Marktmissbrauchs mit einem Rekordbußgeld von 1,06 Milliarden Euro. In den knapp zweijährigen Ermittlungen habe sich der Verdacht illegaler Zahlungen und Rabatte bestätigt, mit denen der Konzern den viel kleineren Konkurrenten AMD ausbremsen wollte. Intel kündigte an, gegen die Entscheidung vor Gericht zu gehen. AMD dagegen begrüßte das harte Durchgreifen Brüssels. "Millionen Verbraucher in Europa wurden über fünf Jahre hinweg geschädigt", sagte Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Sie hätten keine ausreichende Auswahl gehabt. "Das ist das höchste Bußgeld, das wir jemals beschlossen haben." Kroes begründete die Entscheidung mit dem schweren Marktmissbrauch Intels. Der kalifornische Konzern habe Computerherstellern Rabatte gewährt, falls sie Prozessoren für ihre Rechner von Intel beziehen. Zudem habe der Konzern einen großen Einzelhändler - der Media-Markt-Kette - dafür bezahlt, dass er Konkurrenzprodukte eingeschränkt oder gar nicht verkaufte. Computerhersteller bekamen auch Geld, um die Einführung von Computern mit Konkurrenz-Chips einzustellen oder zu verzögern. Kroes nannte dies "einen schweren und anhaltenden Verstoß gegen das EU-Kartellrecht". In die Geschäftspraktiken waren laut Kroes die Hersteller Acer, Dell, HP, Lenovo und NEC eingebunden. Gegen Media Markt will Kroes nicht vorgehen: "Sie sind Opfer und nicht in die Tat verwickelt." Intel muss die rechtswidrigen Geschäftspraktiken, soweit noch nicht geschehen, sofort einstellen. Von Oktober 2002 bis Dezember 2007 - diesen Zeitraum untersuchte die Kommission - war Intel Marktführer mit einem Anteil von mindestens 70 Prozent. Die Kommission habe Beweise, wonach Intel seine wettbewerbsschädigenden Praktiken teilweise versteckte. "Wir glauben, dass die Entscheidung falsch ist", konterte Intel-Chef Paul Otellini in einer Mitteilung. Es habe keinen Schaden für Verbraucher gegeben. AMD-Europachef Giuliano Meroni erklärte: "Die EU- Entscheidung wird die Kräfte von einem missbräuchlich handelnden Monopolisten zu Computer-Herstellern, Händlern und vor allem PC-Nutzern verschieben." dpa