| 21:15 Uhr

EU: 8,5 Millionen Jobs gehen in Europa verlorenEinzelhandel

Brüssel. Die Wirtschaftskrise reißt Europa tiefer in den Abgrund als bislang befürchtet. Allerdings sieht die EU-Kommission das Tief für Deutschland nicht ganz so drastisch wie die Bundesregierung. Dies geht aus dem Konjunkturbericht für die Gemeinschaft hervor, den EU-Währungskommissar Joaquin Almunia gestern in Brüssel präsentierte

Brüssel. Die Wirtschaftskrise reißt Europa tiefer in den Abgrund als bislang befürchtet. Allerdings sieht die EU-Kommission das Tief für Deutschland nicht ganz so drastisch wie die Bundesregierung. Dies geht aus dem Konjunkturbericht für die Gemeinschaft hervor, den EU-Währungskommissar Joaquin Almunia gestern in Brüssel präsentierte. Demnach wird für die Bundesrepublik ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von 5,4 Prozent erwartet, in Berlin hatte man sogar mit sechs Prozent gerechnet. 2010 ist dann zwar eine Erholung in Sicht, die fällt jedoch deutlich bescheidener aus, als noch vor einigen Monaten erhofft. Almunia hält ein Wachstum in Höhe von 0,3 Prozent für möglich, während Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) das Plus auf 0,5 Prozent schätzt. Wegen der milliardenschweren Konjunkturprogramme klettert die Staatsverschuldung wieder dramatisch an. Die Kommission sieht Deutschland bereits im laufenden Jahr bei einem Minus von 3,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 2010 sogar bei 5,9 Prozent, obwohl nach den Kriterien des Euro-Stabilitätspaktes nur drei Prozent erlaubt sind. Ein Strafverfahren werde es trotzdem nicht geben, versicherte der Kommissar. Denn die EU-Regierungen hatten sich darauf verständigt, den Pakt in der Krise "zurückhaltend" anzuwenden. Die eigentliche Herausforderung steht Deutschland aber noch bevor: Zwar dürfte sich schon im laufenden Jahr die Arbeitslosigkeit auf 8,6 Prozent erhöhen. 2010 aber werden nach den Erhebungen Brüssels rund 10,4 Prozent der Erwerbstätigen ohne Job sein, das wären rund 4,335 Millionen Arbeitsuchende (derzeit 3,585 Millionen). Europaweit rechnet die Kommission mit dem Verlust von 8,5 Millionen Arbeitsplätzen. "Die Europäische Wirtschaft befindet sich mit in einer der tiefsten Krisen der Nachkriegs-Ära", sagte Almunia. Doch würden die "ambitionierten Maßnahmen der Regierungen und Zentralbanken" den wirtschaftlichen Rückgang "abfedern und eine Erholung im nächsten Jahr ermöglichen". Dafür sei es unbedingt nötig, dass die Mitgliedstaaten den Geldinstituten einen Weg anböten, wertlose Wertpapiere beispielsweise in Bad Banks auszulagern", damit die Häuser wieder in der Lage seien, den Markt mit Darlehen zu versorgen. dr