"Es gibt keine Gegenargumente"

"Es gibt keine Gegenargumente"

In Saarbrücken wird derzeit heftig über neue Kulturbauten gestritten.Was macht Sie so gewiss, dass das Projekt Saarphilharmonie nicht in den Mühlen der Diskussion zerrieben wird?Poppen: Zunächst mal finde ich es gut, dass es hier viele Kultur-Themen gibt, die die Bevölkerung und die Politik beschäftigen

In Saarbrücken wird derzeit heftig über neue Kulturbauten gestritten.Was macht Sie so gewiss, dass das Projekt Saarphilharmonie nicht in den Mühlen der Diskussion zerrieben wird?

Poppen: Zunächst mal finde ich es gut, dass es hier viele Kultur-Themen gibt, die die Bevölkerung und die Politik beschäftigen. Denn daran liegt auch die Zukunft des Saarlandes, dass es sich kulturell profiliert und damit auch die Wirtschaft beflügelt. Unser Modell, diesen Konzertsaal zu bauen, ist so stimmig, dass es im Grunde keine Gegenargumente geben kann. Bislang habe ich auch niemanden getroffen, der etwas gegen den Konzertsaal an sich und die Lösung, ihn ins E-Werk zu integrieren, gehabt hätte.

Kritiker gibt es wohl. Sie befürchten, dass die Saarphilharmonie das ohnehin knappe Sponsorengeld, das es für Kultur im Land gibt, absaugt. Und die anderen gehen leer aus.

Poppen: Diese Sorge ist vollkommen unberechtigt. Ein Beispiel nur: Die Musikfestspiele Saar sind ein ganz entscheidender kultureller Faktor in der Region und sie brauchen natürlich Sponsorengelder. Aber gerade diese Festspiele könnten entscheidend von der Konzerthalle profitieren. Mit einer solchen Halle im Hintergrund fließen sicher auch die Sponsorengelder für die Veranstaltung von Konzerten leichter.

Warum braucht Ihr Orchester unbedingt einen neuen Konzertsaal? Die Congresshalle ist doch vor einem Jahr erst aufwändig umgebaut worden?

Poppen: Vorweg gesagt, die Saarphilharmonie ist ein Gemeinschaftsprojekt. Das Theaterorchester soll dort genauso spielen wie wir. Das gilt auch für die Musikhochschule, die Jazz-Szene bis hin zu den Laienorchestern. Für uns gesprochen: Jedes so groß angelegte Orchester wie die Deutsche Radiophilharmonie braucht eine Wirkungsstätte, die das ganze Jahr zur Verfügung steht, in der man proben und auch CDs aufnehmen kann, zu den Zeitpunkten, an denen es der künstlerische Zeitplan erfordert und es die Terminkalender der Solisten zulassen. Das ist leider in der Congresshalle nicht erfüllt. Und auch wenn die Congresshalle sehr sinnvoll renoviert wurde und akustisch verbessert wurde, kann sie einen wirklichen Konzertsaal nicht ersetzen, in dem es akustisch ganz andere Möglichkeiten gibt.

Konkret gesagt: Sie stoßen in der Congresshalle auch an räumliche Grenzen, wenn es um große Besetzungen geht?

Poppen: Nur ein Beispiel: Das Eröffnungskonzert der Musikfestspiele Saar nächstes Jahr, bei dem wir Bernsteins Kaddish-Sinfonie spielen werden, passt der Besetzung und der TV-Kameras für Arte wegen leider nicht auf die Bühne. Deswegen gehen wir in die Alte Schmelz nach St. Ingbert.

Der Förderverein will 21 Millionen Euro zusammenbringen. Etwa dieselbe Summe soll nochmal an öffentlichen Geldern dazu kommen. Ein ehrgeiziges Ziel. Haben Sie schon einen großen Sponsor an der Angel?

Poppen: Wir sind ja vor wenige Wochen erst mit dem Projekt in die Öffentlichkeit gegangen und haben sehr viel Sympathie erfahren. Konkrete Zusagen von Sponsoren gibt es noch nicht. Das beunruhigt mich aber nicht, weil das Projekt noch ganz am Anfang steht.

Wann wollen Sie erstmals in der Saarphilharmonie dirigieren?

Poppen: Sobald wie möglich, am liebsten in der nächsten Saison. Aber ich bin Realist. Man darf sich bei einem solchen Projekt keine deadline setzen.

Mit dem E-Werk auf den Saarterrassen liegt der geplante Konzertsaal ja nicht gerade im Saarbrücker Zentrum…

Christoph Poppen

Poppen: Wir Musiker sind uns alle einig, dass wir künftig Musik auch viel mehr an Bevölkerungsschichten herantragen müssen, die heute kaum in unsere Abonnement-Konzerte kommen. Und bei etlichen Städten weltweit, die mit neuen Konzerthallen aus dem Zentrum heraus gegangen sind, hat so ein Schritt auch für den Abbau von Schwellenängsten gesorgt. Außerdem wird durch die geplante Autobahnanbindung der Saarterrassen die Situation bald ohnehin eine andere sein.