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Es darf gelacht werden bei Perspectives

Die mit HipHop vertanzte Märcheninterpretation „Schneewittchen und die sieben schlafenden Schweinchen“ gastiert bei den diesjährigen Perspectives. Foto: Lauren Philippe
Die mit HipHop vertanzte Märcheninterpretation „Schneewittchen und die sieben schlafenden Schweinchen“ gastiert bei den diesjährigen Perspectives. Foto: Lauren Philippe FOTO: Lauren Philippe
Saarbrücken. Über Jahre ist der Zuspruch gewachsen, bis auf 30 000 Zuschauer im vergangenen Jahr. Die Saarbrücker „Perspectives“ sind wieder ein Erfolgsfaktor. Gestern wurde der Spielplan für die 38. Ausgabe präsentiert. Sie startet am 21. Mai. Cathrin Elss-Seringhaus

Auf eine hippe Art altmodisch und kuschelig ist das "Esszimmer" im Saarbrücker Nauwieser Viertel. Der "Wohnzimmer"-Club diente als Kulisse für die Programm-Pressekonferenz der diesjährigen Saarbrücker Perspectives (21. Mai bis 30. Mai). Ein symbolisches Umfeld? Auch der Spielplan liest sich gemütlich. Denn fast alles bleibt beim Alten und damit beim Guten, Erfolgsträchtigen. Sogar das Feuerspektakel der Gruppe Carabosse, das 2014 im Deutsch-Französischen Garten zum überwältigenden Erfolg wurde, kehrt in veränderter Form wieder. Am 23. Mai wird die Großkulisse im Bergbau-"Parc explor" in Petite-Rosselle zur neuen Bühne. Zu erwarten ist ein familientaugliches Top-Ereignis, der Eintritt ist frei.

Weitere Kontinuitäten? Ein Zirkus wird wieder auf dem Tbilisser Platz gastieren, der Festivalclub wird wieder am Römerkastell logieren, und auch die "niedrigschwellige" Programmausrichtung wird beibehalten. Schwerpunktmäßig sehen wir Spielformen wie Figurentheater, Tanz und Akrobatik, die ohne Sprachbarriere funktionieren. Und erleben Compagnien, deren Namen wir meist erstmals hören, die keinen Glamourfaktor haben: Compagnie Octobre etwa oder Night Shop Theatre. Doch taucht diesmal auch der große Name der Comédie Francaise auf, die mit einer drolligen Variante von Molières "Bürger als Edelmann" anreist.

Annähernd gleich bleibt der Etat - etwa 750 000 Euro -, und die binationale Finanzierungsgemeinschaft aus Stadt Saarbrücken , Land und Département Moselle hält. Keine Selbstverständlichkeit beim Rechtsruck in Frankreich und einer bevorstehenden Strukturreform der Nachbar-Dépar-tements. Darauf verwies der bei der Pressekonferenz anwesende französische Generalkonsul Frédéric Joureau.

Die Neuigkeiten sind schnell genannt. Saargemünd kommt als Partner und Spielort erstmals hinzu, auch in Meisenthal im Elsass sind die Perspectives erstmals präsent, dorthin fährt ein Shuttlebus. Und künstlerisch? Festivalchefin Sylvie Hamard hat eines der populärsten Theaterstücke der letzten Jahre eingeladen, die vielfach ausgezeichnete Migrations-Komödie "Verrücktes Blut" (Maxim Gorki Theater, Berlin). Im aberwitzigen Amoklauf-Stück von Nurkan Erpulat zwingt eine Lehrerin nicht-deutschstämmige Jugendliche mit vorgehaltener Pistole zu Schillers "Räubern". Diese Einladung lässt sich einerseits nachvollziehen, das Stück passt perfekt zum interkulturellen Versöhnungs- und Vermittlungsauftrag, den Kultusminister Ulrich Commerçon (SPD ) durch die Perspectives vorbildlich erfüllt sieht. Das Festival ermögliche einen "vergleichenden Blick" und zeige Wege auf, wie kulturelle Unterschiede auszuhalten seien, sagte er gestern. Andererseits stammt "Verrücktes Blut" aus dem Jahr 2010 und ist bereits durchgenudelt, etwa vom Staatstheater-Jugendclub.

Und auch das burleske stumme Comedy-Drama "Hotel Paradiso" der Gruppe Familie Flöz gehört in die Kategorie "seit Jahren erfolgreich". Passt das zum Profil eines Festivals, das sich einst dem Wagemut, der Irritation und der Innovation verpflichtet fühlte? Allerdings hat Hamard in den vergangenen sieben Jahren bewiesen, dass sie ein großes Gespür für das besitzt, was sie gestern als "Wow"-Effekt beschrieb. Selbst wenn die Gattung konventionell erscheine wie etwa bei Akrobatik, schafften Künstler immer wieder verblüffend Originelles - oft mit Hilfe von Humor. Hamard erkennt darin einen roten Faden für 2015. So steht denn auch "Es darf gelacht werden" über ihrem neuen Programm.

Am 25. April startet der Vorverkauf. Im Internet: www.festival-perspectives.de