"Erst mal denken lernen"

"Erst mal denken lernen"

Saarbrücken. Wenn man Nitzan Cohen persönlich in Saarbrücken treffen möchte, geht das am besten montags und dienstags. Zweieinhalb Tage die Woche arbeitet der Professor mit seinen Studenten in den Design-Werkstätten der HBK Saar. Dann pendelt er wieder zurück nach München, ins eigene Projekt-Büro

Saarbrücken. Wenn man Nitzan Cohen persönlich in Saarbrücken treffen möchte, geht das am besten montags und dienstags. Zweieinhalb Tage die Woche arbeitet der Professor mit seinen Studenten in den Design-Werkstätten der HBK Saar. Dann pendelt er wieder zurück nach München, ins eigene Projekt-Büro. Klar sei das anstrengend, aber die Mühe wert, denn Nitzan Cohen liebt es, mit jungen, kreativen Menschen zu arbeiten.Erfahrungen als Design-Lehrer sammelte er bereits als Gast-Dozent an Kunsthochschulen in Stuttgart und Genf. Dann ging er bei drei Kunsthochschulen für einen Design-Lehrstuhl, darunter Saarbrücken ins Rennen. Alle drei wollten den ausgezeichneten Designer haben. Cohen entschied sich für Saarbrücken. "Es ist eine kleine Institution, die Wege sind kurz, die Atmosphäre gut, die Infrastruktur super. Da ist viel Potenzial", erklärt er seine Wahl.

Wer sich von Nitzan Cohens Design-Stil ein Bild machen will, kann das zum Beispiel im Restaurant "Table" der Schirn Kunsthalle in Frankfurt tun, das er komplett eingerichtet hat. Seine eigene Handschrift zu vermitteln, sei ihm als Lehrer aber kein Bedürfnis. Im Gegenteil. "Meine Studenten sollen ihren eigenen Weg finden. Es geht darum, erst mal denken zu lernen", erklärt er seinen Ansatz. Neben Kreativität machten Mut, Selbstvertrauen und das Durchdringen der Materie einen guten Designer aus, sagt Cohen. "Es reicht nicht, etwas schöner zu machen, es geht nicht in erster Linie um die Oberfläche", sagt Cohen. Er selbst sei daher "kein Stylist", sondern jemand, der den Dingen gerne erst auf den Grund gehe. Daher interessiere ihn Design auch "auf der Metaebene". Das heißt, dass am Anfang eines jeden Entwurfs, egal ob zum Beispiel ein einzelnes Möbelstück oder eine komplexe Ausstellungspräsentation, erst Mal eine gründliche Recherche und ein intensiver Denkprozess stehen müssen. Bei zu entwerfenden Raum-Ausstattungen bedeutet das zum Beispiel, die historischen Gegebenheiten zu berücksichtigen oder diverse Nutzungsmöglichkeiten herauszuarbeiten.

Seinen Studenten hat Nitzan Cohen deshalb ein erste, komplexe Aufgabe gestellt: Sie dreht sich um die Zahl zehn. Was kann man aus ihr entwickeln? Man könne sie zum Beispiel in eins und null zerlegen, über zehn Funktionen eines beliebigen Instrumentes nachdenken, dem Mythos der Zahl zehn auf den Grund gehen, die Verwendung der Zehn in der Kunst recherchieren, gibt Cohen Beispiele. Hauptsache, es wird nicht zu eng gedacht, denn die Grenzen von Kunst und Design seien fließend. "Ich bin gespannt, welche Geschichten die Studenten entwickeln. Auf jeden Fall sind sie gefordert, eine Meinung zu haben."

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