Ernte weltweit mit Saar-Technik

Ernte weltweit mit Saar-Technik

Der weltweite Bedarf an Lebensmitteln und Landmaschinen zur Ernte steigt. Hörmann Automotive St. Wendel als Ausrüster von Landmaschinen betreut die größten Hersteller weltweit, plant mit 30 Millionen Euro Wachstum jährlich und baut ein Werk in Russland.

 Hydraulikpressen produzieren Einzelteile für Landmaschinen und Nutzfahrzeuge.
Hydraulikpressen produzieren Einzelteile für Landmaschinen und Nutzfahrzeuge.
 Lothar Becker, Hörmann-Geschäftsführer
Lothar Becker, Hörmann-Geschäftsführer

Russland als die Kornkammer der Welt mit gigantischen Getreidevorräten bietet in den kommenden fünf bis zehn Jahren den Herstellern von Landmaschinen die größten Wachstumschancen weltweit. Davon ist Lothar Becker (41) überzeugt, seit 2006 Geschäftsführer von Hörmann Automotive St. Wendel. Zumal auch der Bedarf an höherwertigen Lebensmitteln sowie Bio-Energie stark zunehme. Hörmann Automotive als Produzent von Pressteilen, einbaufertigen Modulen, komplett geschweißten Baugruppen und Systemen für die weltweit größten Hersteller von Landmaschinen und Nutzfahrzeugen will von diesem enormen Wachstum profitieren. Geplant ist deshalb, als Zulieferer von John Deere dessen stark zunehmendes Engagement in Russland mit einem eigenen Werk zu begleiten, das spätetestens 2018 den Betrieb aufnehmen soll.

Offensichtlich spielt die Musik für Landmaschinenhersteller auch auf Märkten wie Nord- und Südamerika, China sowie Indien schon so einladend, "dass unsere Kunden es am liebsten sehen würden, wenn wir uns jetzt schon in deren Gefolge weltweit engagieren würden", sagt Becker, der auch die großen Landmaschinenhersteller Case New Holland, Fendt sowie die Claas Gruppe zu den Auftraggebern zählt.

Becker legt nach eigenen Worten großen Wert darauf, dass die Hörmann Automotive GmbH St. Wendel als Mittelständler behutsam und kontinuierlich wächst ohne sich zu überheben. Daher werde im nächsten Schritt erst einmal der technische Ausbau des Werks St. Wendel vorangetrieben. Dazu gehört die Teil-Automatisierung von Pressen sowie die Anschaffung eines weiteren 3D-Lasers. Bearbeitet werden in dem Werk Tiefziehstähle, Edelstähle, Kupfer und Aluminium. In St. Wendel entstehen unter anderem Kotflügel und Seitenverkleidungsteile für Traktoren und Erntemaschinen. Immer häufiger werden komplett geschweißte Baugruppen statt Einzelteile geordert. So entstehen Außenhautverkleidungen für Erntemaschinen oder Lkw-Stahlstoßfänger.

Die starken Wachstumschancen für Landmaschinenhersteller mit Einbautechnik von Hörmann sind schon seit einigen Jahren deutlich zu spüren. So hat sich der Umsatz im St. Wendeler Werk in den vergangenen sechs Jahren von zwölf auf 24 Millionen Euro verdoppelt. In der gleichen Zeit wurden rund 2,5 Millionen Euro investiert. Der bisher größte Auftragssprung kam 2010. Bis 2016 sollen nochmals rund drei Millionen Euro investiert werden.

Ziel der Geschäftsführung ist es, den Umsatz bis 2016 noch einmal auf eine Größenordnung von 30 Millionen Euro zu steigern. Dann allerdings stoße auch der Standort St. Wendel an seine räumlichen Entwicklungsgrenzen. Daher wird bereits gemeinsam mit der auf die Entwicklung von Fahrzeugsystemen für die Automobilindustrie spezialisierte Hörmann Automotive Saarbrücken GmbH erwogen, an der Saar die Kräfte zu bündeln und so den Ausbau der Kapazitäten zu gewährleisten.

Die beiden vorhandenen Saar-Standorte sollen mittelfristig zusammen 60 Millionen Euro jährlich erwirtschaften. Becker zeigt sich mit der Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Saarland zufrieden, meint jedoch, es fehle die Ansiedlung eines Unternehmens, das sich auf automotive Farbgebung/Beschichtung spezialisiert hat und eine eigene Lackiererei betreibt. Denn es gebe viele Betriebe, die solche Aufträge zu vergeben hätten und als einzelne nicht über so große Volumina verfügen, um eine eigene Lackiererei zu stemmen.