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Erinnerungen des „fliegenden Saarländers“

Saarbrücken. ask

"Selbst erlebte Anekdoten", werde Siegmund Nimsgern erzählen, versprach Wolfgang Schug vom Richard-Wagner-Verband am Sonntag. Jahrzehnte einer internationalen Bühnenkarriere boten genug Stoff für eine unterhaltsame Matinée im Staatstheater. Tonaufnahmen zeugten von der Vielseitigkeit des St. Ingberter Bassbaritons. Karajan genügten schon die ersten Takte seines Telramund, um ihn für den "Lohengrin" zu verpflichten.

Mit "Lohengrinsen" überschreibt Nimsgern, was er damals in den 80ern erlebte. Als im Salzburger Lokal "Bratwurstherzl" bloß der blondstrahlende Wagner-Tenor Peter Hofmann erkannt und um ein Autogramm gebeten wird, überredet Nimsgern die mitanwesenden Kollegen, auch zu unterzeichen - und zwar als Leibarzt (Kurt Moll ), Leibwache (Franz Grundheber) und als Leibkoch (Nimsgern) Hofmanns. Doch niemand irritierten die Fabel-Unterschriften.

Nimsgerns Anspielungen sind stets geistreich. Und er berichtet höchst vergnüglich auch von Begegnungen mit Dirigenten in Unterhosen und einem Knoblauch ausdünstenden Sopran, dessen sich Nimsgern kurzerhand mit Wotans Speer erwehrte. Das Publikum hielt es für einen Regie-Geniestreich. Wen wundert's da noch, dass Nimsgern sich mal in einer letzten "Holländer"-Vorstellung in Amerika als "der fliegende Saarländer" verabschiedete.