Eon Energy from Waste überprüft Struktur

Eon Energy from Waste überprüft Struktur

Der Betreiber der Neunkircher Abfallverbrennungsanlage, EEW, nimmt nach der Übernahme durch einen Investor die Regionalverwaltung unter die Lupe. Auch im Kraftwerk stehen Veränderungen an.

Bei dem Entsorgungsunternehmen Eon Energy from Waste (EEW) stehen nach der Übernahme durch den schwedischen Finanzinvestor EQT auch im Saarland Veränderungen an. "Ich will nicht ausschließen, dass es in Saarbrücken Umstrukturierungen gibt", sagte Vorstandschef Carsten Stäblein im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Das Unternehmen ist im Saarland mit einer Regionalverwaltung sowie mit einer Müllverbrennungsanlage in Neunkirchen und einer Minderheitsbeteiligung an der Anlage in Velsen vertreten. Vor allem in der Verwaltung steht wohl eine Umstrukturierung an. Denn historisch bedingt sind neben der Betreuung der Standorte vor Ort, für die rund 35 Mitarbeiter zuständig sind, auch noch gut 40 Mitarbeiter mit Funktionen betraut, die eigentlich in der Konzernzentrale in Helmstedt angesiedelt sind. Dies rührt noch aus der Integration der saarländischen Entsorgungsfirma Sotec, die vor mehr als fünf Jahren in der EEW aufgegangen ist. "Das Thema Verwaltungsstruktur in Saarbrücken ist hier unter dem Gesichtspunkt Kostensenkung und Verschlankung zu betrachten. Und dann muss man auch sehen, was der neue Eigentümer will", sagt Stäblein. Schnellschüsse strebt er allerdings nicht an, schließlich gelte es auch erfahrene Mitarbeiter und Know-How zu erhalten.

Die Zentrale ist aber nur die eine Baustelle des Konzerns im Saarland. Auch die Müllverbrennung in Neunkirchen steht im Fokus. Hier hat EEW einen Vertrag mit dem Entsorgungsverband Saar (EVS), der bis Ende 2016 läuft. Bis dahin ist der EVS in der Plicht, ausreichend Müllmengen für den Betrieb der Anlage zu liefern. Da die Müllmenge im Saarland kontinuierlich sinkt, akquirieren EVS und EEW bereits jetzt zusätzlichen Müll in Frankreich, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg dazu. Nach 2016 will der EVS den Vertrag nicht verlängern. Stäblein ist aber optimistisch, auch dann ausreichend Müll akquirieren zu können. Allerdings müssten bis dahin die Kosten in Neunkirchen sinken, denn als vergleichsweise kleine Anlage - sie hat eine Kapazität von 150 000 Tonnen pro Jahr - ist die dortige Müllverbrennung aktuell zu teuer. Stäblein sieht noch Potenzial in technischen und energetischen Optimierungen. Doch auch auf Personalseite werde gespart werden müssen. Drastisch werde dies aber nicht ausfallen. Hier gehe es eher um eine "evolutionäre Entwicklung".

Perspektivisch sieht Stäblein für den Konzern, der in Deutschland fast zwanzig Anlagen betreibt und europaweit aktiv ist, gute Wachstumschancen - vor allem auf dem internationalen Markt. So seien die EU-Staaten zunehmend in der Pflicht, die europäischen Entsorgungsrichtlinien weg von der Deponierung hin zu Recycling und Müllverbrennung umzusetzen, um wertvolle Rohstoffe wieder nutzen zu können.

Aktuell ist EEW laut Stäblein in Ausschreibungen sowohl in Großbritannien als auch in Polen beteiligt. Großbritannien - dort bewirbt sich EEW bei drei Projekten - ist aus zwei Gründen attraktiv: Weil die Deponiesteuern sukzessive steigen und die teurere Müllverbrennung damit konkurrenzfähig wird, wird der Markt noch wachsen. Außerdem sind dort mit 25 Jahren sehr langfristige Verträge zu erwarten. In Polen wiederum, das nun auch verstärkt auf Müllverbrennung setzt, rechnet sich EEW Chancen für Projekte im Nordteil des Landes aus. Doch nicht nur in Europa sieht Stäblein Wachstum, Anfragen kämen auch aus dem arabischen Raum und von ehemaligen GUS-Staaten. Für die Zukunft des Unternehmens, das Mitte des Jahres in EEW Energy from Waste umbenannt wird, ist Stäblein optimistisch: "Unser neuer Eigner ist dafür bekannt, aus guten Unternehmen sehr gute Unternehmen zu machen."