Energiekonzept kommt Mieter teuer zu stehen

Energiekonzept kommt Mieter teuer zu stehen

Herr Rips, aus ökologischer Sicht lässt sich gegen den Regierungsplan nichts einwenden, oder? Rips: Nein. Das Ziel ist absolut richtig. Aber die Umsetzung ist nur möglich, wenn die staatliche Unterstützung für die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen massiv ausgebaut wird

Herr Rips, aus ökologischer Sicht lässt sich gegen den Regierungsplan nichts einwenden, oder? Rips: Nein. Das Ziel ist absolut richtig. Aber die Umsetzung ist nur möglich, wenn die staatliche Unterstützung für die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen massiv ausgebaut wird.Die Immobilienwirtschaft rechnet mit Kosten von "mehreren Billionen Euro" für Hauseigentümer und Mieter. Sehen Sie das auch so? Rips: Nein, das halte ich für ein Totschlagargument. Denn auch ohne die neuen Vorgaben müssten in den nächsten Jahrzehnten erhebliche Mittel für die energetische Gebäudesanierung aufgebracht werden. Man denke nur daran, was in den Mietshäusern bis 2050 allein an Heizungstechnik erneuert werden muss. Die Kosten für fossile Brennstoffe werden garantiert steigen. Umso notwendiger sind Einsparungen und Effizienzverbesserungen.Also werden die Mieter nicht ungeschoren davonkommen. Rips: Es wird zu Mieterhöhungen kommen. Nach unseren Berechnungen sind das etwa 50 bis 80 Cent pro Quadratmeter, aber auch ein Euro und mehr sind möglich, die aber durch geringere Nebenkosten für Energie ausgeglichen werden können. Mit öffentlichen Fördermitteln können die Modernisierungskosten und Miet-Erhöhungen weiter begrenzt werden.Kann der Vermieter die Mehrkosten so einfach auf den Mieter umlegen? Rips: Ja. Nach geltendem Recht kann der Vermieter jeweils elf Prozent der Investitionskosten auf die Jahresmiete aufschlagen. Nur wenn die Sanierung zu besonderen Härten führt, kann sich der Mieter im Einzelfall gegen energetische Verbesserungen wehren.Die Regierung verspricht eine bessere Förderung der Sanierung. Das beruhigt Sie nicht? Rips: Anspruch und Realität klaffen hier leider stark auseinander. Nach jetzigem Stand will die Koalition das bestehende CO2-Gebäude-Sanierungsprogramm auf 450 Millionen Euro zusammenstreichen. Nötig wären aber drei bis fünf Milliarden Euro pro Jahr, um das Energiekonzept umzusetzen. Und wenn die sich nicht durchsetzen lassen, bleibt am Ende alles bei den Mietern hängen? Rips: Das ist vor allem in den Ballungsgebieten zu befürchten. In München etwa wird es dann zu drastischen Mieteaufschlägen kommen. In anderen Gebieten sind deutliche Mieterhöhungen nicht durchsetzbar, aber dort werden dann auch die erforderlichen Investitionen ausbleiben.