Einstimmiges Votum, aber für wen?

Einstimmiges Votum, aber für wen?

Barbara Steiner (46) und Roland Mönig (47) stellten sich am Freitag dem Kuratorium der Stiftung Kulturbesitz vor. Das hat zwar in geheimer Wahl eine einstimmige Entscheidung gefällt, doch der Name wurde nicht bekannt gegeben.

Es ging um eine Richtungswahl. Denn das Profil der beiden Kandidaten, die sich gestern dem Stiftungs-Kuratorium vorstellten, liegt weit auseinander. Das war bereits vor der gestrigen Vorstellungsrunde bekannt (die SZ berichtete). Doch Mönig und Steiner führten - ungewollt - am Freitag ihre Unterschiedlichkeit auch öffentlich vor. Beide ließen zwar vorab mitteilen, sie würden zum laufenden Verfahren schweigen. Kein Wort also zu den Ideen für die Saarbrücker Museen. Doch während Barbara Steiner (46) Journalisten zumindest für Fotos und ein paar lockere, unverfängliche Worte zur Verfügung stand, ließ sich Dr. Roland Mönig entschuldigen. Der Kenner der klassischen Moderne ist seit 1997 stellvertretender Museumschef im Museum Kurhaus Kleve und steht für die eher konservative Linie, die die Sammlung betont. Freilich hat sich das Museum Kurhaus Kleve insbesondere mit Gegenwartskunst exzellent positioniert.

Demhingegen hat sich Steiner bisher weniger mit der Vergangenheit denn mit der Avantgarde beschäftigt. Sie leitete bis 2011 die Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig und verpasste ihr ein radikal gegenwärtiges, mit Theorie und Forschung unterfüttertes Konzept. Das ungesicherte Neuland ist ihr Feld.

Vier Stunden Zeit nahm sich das Kuratorium, um über die Kompetenz der beiden zu diskutieren, die eine Findungskommission als gleichrangig erachtet hatte. Am Ende verkündete der Kurator, Kultusminister Ulrich Commercon (SPD), zwar eine "einstimmige" Entscheidung. Doch den Namen des in geheimer (!) Wahl ermittelten Favoriten nannte er nicht. Um die Vertragsverhandlungen nicht zu erschweren? Die Gründe blieben nebulös. "Beide Kandidaten sind geeignet", sagte der Minister im Anschluss an die Sitzung, die zugleich die erste des von ihm neu besetzten Kuratoriums war.

Therre bleibt an Bord

Immerhin überraschte Commercon dann doch noch mit einer Personalentscheidung: Bernd Therre (Jahrgang 1954), in der Stiftungskrise 2011 zum kaufmännischen Vorstand der Stiftung berufen, soll weiter in dieser Funktion bleiben, bis der Bau fertig gestellt ist. Commercon hält es für realistisch, dass bereits im September der Vorstand wieder komplett ist, sprich er beim Gehalts- und Konditionen-Aushandeln erfolgreich war.