Dillingen: Einfach wie es ihm gefällt

Dillingen : Einfach wie es ihm gefällt

1. Dillinger Kunstsalon: So nennt der Kunstorganisator Claus Zöllner die größte Ausstellung mit französischer Kunst, die er je gemacht hat. Möglich wurde sie, weil er nach zwei Jahrzehnten seinen Ausstellungsort von Saarlouis nach Dillingen verlegte. Dort bestückt er für drei Wochen den attraktiven, sanierten Lokschuppen.

Der alte blaue Transit von Claus Zöllner ächzt in seinen Federn, aber er läuft. Tour um Tour hat Zöllner, 70, der Kunstorganisator aus Wallerfangen, damit gemacht, quer durch ganz Frankreich. Jetzt hat er die Fracht abgeladen: im Lokschuppen in Dillingen, in dessen edles Innere er mit dem Lieferwagen sogar reinfahren kann. Zusammen mit einem kleinen Trupp alter Freunde holte er ein Kunstwerk nach dem anderen aus dem Auto. Die Bilder kamen an die weißen Stellwände, die Skulpturen auf Podeste.

Eine Ausstellung, wie sie Zöllner seit mehr als 20 Jahren in Saarlouis aufgebaut hat, aber doch ganz anders. Mit der Stadt Saarlouis hatte er vor zwei Jahren keinen Weg mehr gefunden, diese Ausstellungen, in denen er französische Künstler an die Saar brachte, fortzusetzen. Denn die Stadt hatte das Haus Ludwig verkauft, in der neuen Ludwig Galerie mochte man die Schau nicht wirklich platzieren. So kam Zöllner nach Dillingen.

Und da war plötztlich Platz. Haus Ludwig war eine gute Adresse, aber es gab Treppen und letztlich immer Platznot. Jetzt hat Claus Zöllner Platz. Und er nutzt ihn. „So was hat es noch nicht gegeben“, jubelt er. Er kann auf einen Schlag ein Mehrfaches der Exponate zeigen, die in Saarlouis Platz hatten. 15 Bildhauerinnen und Bildhauer sowie 15 Malerinnen und Maler „auf einen Schlag“, wie Zöllner sagt. Mit insgesamt 350 Exponaten. „Das freut mich unheimlich, genauso wie die Zusammenarbeit mit der Stadt Dillingen.“

Zöllner bekennt sich dazu, einfach nach seinem eigenen Geschmack auszusuchen. „Jedes einzelne Bild, jede Skulptur habe ich in den Ateliers ausgesucht. Was mir gefällt.“ Zöllner liebt die eher gegenständliche Kunst. Wen er zeigt, „das sind persönliche Freunde, die ich mit der Zeit gewonnen habe. Ich zeige im Lokschuppen Künstler, die schon da waren, und Künstler die zum ersten Mal bei uns sind.“

Der Kunstfreund hofft, dass sich hier, beim 1. Dillinger Kunstsalon, fortsetzt, was vorher in Saarlouis war: Die Ausstellungen waren stets gesellschaftliche Ereignisse mit Prominenz aus dem Saarland und aus Frankreich. Es sind zugleich auch Verkaufsausstellungen. Neben den Franzosen ist dieses Mal auch der Maler Dietermüller aus Saarlouis dabei, ein Stiller, dessen Malerei größere Aufmerksamkeit verdiente.

Farbige Skulpturen aus Harz zeigt Françoise Abraham, die Tänzerin war, bevor sie ihre lebensfreudigen Objekte schuf. Dominique Beyssey erzählt in ihren Bronzen Geschichten der menschlichen Seele. Liliane Caumont arbeitet heute ebenfalls mit Bronze, manche stehen in öffentlichen Anlagen in Frankreich und Spanien. Jacques Coquillay wurde mehrfach ausgezeichnet, wurde 1995 zum offiziellen Maler der Marine in Frankreich ernannt.

Anderes Beispiel: Sehr originell die Thematik des Bildhauers Philippe Crivelli, Jeans und Hände. Denise Geisen ist vertreten, die Glaskünstlerin, die eine Ausbildung als Porzellanmalerin absolviert hat. Jean-Pierre Gendis ist eigentlich Graveur für Münzen und Medaillen. Jivko, ursprünglich aus Bulgarien, hat seine oft von der Mythologie inspirierten Skulpturen in Saarlouis bereits mit großem Erfolg ausgestellt. Michel Serraz ist dabei, Yan Zoritcjak oder der Maler opulenter Architekturstücke, Bernardino Toppi.

Zöllner, der in Wallerfangen als Elektriker einen kleinen Betrieb führt, hat sich seine Liebe zur Kunst lange erarbeitet. Zugleich hat er eine Kunst-Brücke von Frankreich ins Saarland geschaffen. Die französische Republik ehrte ihn dafür mit den beiden Orden Chevalier de l’ordre des arts et des lettres und Chevalier de l’ordre national du mérite.

Zöllner holt in Dillingen weit aus, präsentiert gar einen „Kunstsommer Dillingen“. Der erste Dillinger Kunstsalon ist bis 12. August geöffnet, immer dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Vernissage ist am Mttwoch, 25. Juli, 18 Uhr.

Es folgt vom 21. August bis 21. September die Aufstellung von rund 50 Bronzeskulpturen französischer zeitgenössischer Künstler. Zöllner bestückt damit die Innenstadt, vor allem die Stummstraße, und 17 Geschäfte in Kooperation.Dritter Teil ist eine Einzelausstellung der Künstlerin Françoise Abraham in der Dillinger Stadthalle. Sie zeigt farbige Skulpturen aus Kunstharz. Zu sehen vom 30. September bis 21.Oktober, dienstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr.

Dillinger Architektur: der Lokschuppen. Einst wurden hier Lokomotiven gewartet. Jetzt ist das daraus geworden, was man gerne als „tolle Location“ bezeichnet. Foto: Jean Roi
Dietermüller aus Saarlouis ist Gast in Claus Zöllner Ausstellung französischer Kunst. Foto: Alexander Avdeev
Bruno Marty schuf diese Karikatur des Modeschöpfers Karl Lagerfeld. Zu sehen sind in der Ausstellung auch Karikaturen von Angela Merkel, Albert Einstein und  Steven Spielberg. Foto: Alexanr Avdseev/Alexander Avdeev
Zerbrechliche Glasobjekte bringt Denise Geisen mit inach Dillingen zur Ausstellung. Foto: Alexander Avdeev
Präsentiert seine bisher größte Ausstellung: Claus Zöllner. Foto: Johannes A. Bodwing

Der Lokschuppen in Dillingen ist gut ausgeschildert. Es gibt genug kostenlosen Parkraum. Die Ausstellung – ausschließlich ebenerdig –  ist barrierefrei zu erreichen.