Eine Nacht mit vielen Seiten

Eine Nacht mit vielen Seiten

Schon das CD-Cover mit einer Szene aus dem Spielfilm „Die Nacht“ von 1961 deutet es an: Hier soll der große Regisseur Michelangelo Antonioni geehrt werden. Für das Molde International Jazz Festival hat der norwegische Pianist Ketil Bjørnstad eine Auftragskomposition geschrieben, bei der er sich von Antonionis Bildern und der Atmosphäre seiner Filme inspirieren ließ.



Der Konzertmitschnitt von 2010 ist nun erschienen. Acht durchnummerierte Titel, die Bjørnstad, der sich zuletzt allzu oft im impressionistischen Solo-Spiel verlor, von einer ganz anderen Seite zeigen: Zusammen mit Andy Sheppard (Saxofon), Anja Lechner (Cello), Eivind Aarset (Gitarre, Electronics), Arild Andersen (Kontrabass) und Marilyn Mazur (Schlagzeug) ist ihm mit "La notte" ein stilistisch breit gefächertes, spannungsreiches Album gelungen. Wunderschöne, von Cello und Saxofon getragene, rhapsodische Melodiebögen schwellen an, verdichten sich zu mehrdeutigen Klang-Gebilden: Diese Nacht ist mal wolkenverhangen und schwermütig, dann wieder sternenklar und leicht. Immer wieder meldet sich zwischendurch donnernd das Schlagzeug zu Wort oder entlockt Aarset seiner E-Gitarre geradezu beängstigende Laute. Eines der ungewöhnlichsten, aber auch besten Bjørnstad-Alben.

Ketil Bjørnstad: La notte (ECM).

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