Kommentar: Eine gute Flucht nach vorn

Kommentar : Eine gute Flucht nach vorn

Ein Aufatmen ging durch Europa, als Emmanuel Macron im Mai zum französischen Präsidenten gewählt wurde. Ein Pro-Europäer. Einer, der seinen Wahlsieg mit der Europa-Hymne zelebrierte. Hoffnung keimte auf. Seit Sonntagabend ist diese Hoffnung geschrumpft. Macrons Projekt eines Europas der Solidarität passte gut zur Großen Koalition. Die SPD schien der natürliche Partner dafür zur sein. Mit einer Jamaika-Koalition droht der neue Elan zu verpuffen.

Macrons Programm ist auch eines gegen die Populisten. Und er weiß, wovon er spricht. Marine Le Pens populistische Rhetorik hatte er im Fernsehduell geschickt entlarvt. Ein Auftritt, von dem sich Le Pen bis heute noch nicht erholt hat. Dennoch: Die Gefahr des Populismus bleibt. Macron weiß, dass Europa zum Erfolg verdammt ist, wenn es überleben will. Deshalb tritt er die Flucht nach vorne an. Gut so. Denn dadurch wird wieder über Europa gesprochen. Auch und gerade in Deutschland, wo das Thema im Wahlkampf zu kurz kam. Sicher bergen einige seiner Ideen Konfliktstoff. Doch Europa täte gut daran, sich mit jedem einzelnen Vorschlag ganz genau auseinander zu setzen.