Ein Handwerker aus Leidenschaft

Ein Handwerker aus Leidenschaft

Seit 2004 steht Hans-Alois Kirf an der Spitze der saarländischen Handwerkskammer. Heute wird sein Nachfolger gewählt. Zum Abschied zieht Bäckermeister Kirf Bilanz.

Keine Sekunde muss Hans-Alois Kirf überlegen. Ja, der Präsident der saarländischen Handwerkskammer (HWK), der nun nach zehn Jahren aus dem Amt scheidet, würde wieder Bäcker werden. Die Begeisterung für das Handwerk ist dem gebürtigen Saarlouiser sozusagen in die Wiege gelegt worden. "Mein Opa und mein Vater waren Bäcker. Und ich habe meine Freizeit schon als Kind gerne in der Backstube verbracht. Zu sehen, wie frische Backwaren mit eigenen Händen hergestellt werden, dazu all die Düfte, die sind mir heute noch im Gedächtnis."

Für Kirf ist all das nicht nur harter Berufsalltag , sondern zugleich Berufung. Und so fasst er den Entschluss, als frisch gebackener Bäckermeister den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Am 1. Januar 1975 ist es soweit. Gerade 22, zugleich jung verheiratet, der Nachwuchs gerade mal drei Monate alt. Nicht gerade ideale Bedingungen für eine Existenzgründung, die enorm viel Zeit beansprucht. Doch jedem, der Mut hat, zielstrebig ist und Träume auslebt, rät Kirf , die Chance zu ergreifen und den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen. "Ich habe mir damit einen Traum erfüllt." Handwerk oder Industrieberuf: Für viele junge Menschen stellt sich dies als eine Grundsatzfrage. Kirf gibt zu bedenken: "Lieber ein kleiner König in einem kleinen Betrieb als ein großer Diener in einem Großbetrieb." Denn "im Handwerk kann man auch Entscheidungen treffen und sieht die Ergebnisse seiner Arbeit direkt".

1994 wird Kirf in den Vorstand der Handwerkskammer gewählt, 2004 an die Spitze. "Ich war von Anfang an überrascht von der Vielfalt der Dienstleistungen, die diese Kammer erbringt: von der Weiterbildung über Meisterprüfungen bis hin zu Hilfen für die Existenzgründung, Sprachkursen und Rechtsberatung ."

Eine Vielfalt, die es auch immer wieder gegen Angriffe von außen zu schützen galt. Den größten Angriff erlebt Kirf schon kurz nach Amtsantritt. Das Land will die Meisterschule nicht mehr finanzieren. Entsprechend argumentiert der damalige Bildungsminister Jürgen Schreier (CDU ), Ex-Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU ) hält offensiv dagegen. Sie sei unverzichtbar für die Förderung von Nachwuchs-Führungskräften in der Saar-Wirtschaft. Die Meisterschule gibt es heute noch mit jährlich 250 jungen Leuten, die in Saarbrücken erfolgreich ihre Prüfung ablegen. Viele kommen hierfür sogar extra aus Rheinland-Pfalz. Ein neues Finanzierungsmodell mit Mitteln der Kammer und Unterstützung des Landes war der Kompromiss, den man im Wesentlichen Georgi zu verdanken habe. "Ein Mann, der wirklich etwas bewegt und das Land ein gutes Stück weit vorangebracht hat", sagt Kirf .

Angriff auf Meisterzwang

Bis heute schlecht zu sprechen ist er dagegen auf Wolfgang Clement (SPD ), den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister. Dieser habe die Abschaffung des Meisterzwangs betrieben. Aus der Sicht von Kirf ein Frontalangriff auf gleich 53 Berufe, der bis heute nichts gebracht habe. "Während Ende 2003 damals 164 Fliesenleger in die Handwerksrolle eingetragen waren, sind es heute knapp 500, die sich gegenseitig einen ruinösen Wettbewerb liefern." Der Markt sei übersättigt, auch werde weniger ausgebildet, "weil niemand ausbilden darf, der nicht Meister ist".

78 Prozent ihrer Mittel stecke die Kammer in Berufsausbildung sowie in die Fort- und Weiterbildung, sagt Kirf . Das Handwerk biete gesicherte Arbeitsplätze im Saarland, das eine gute Zukunftschance habe. "Alle Anstrengungen, dieses Bundesland zu erhalten, lohnen sich. Als Anhängsel eines anderen Bundeslandes wären wir nicht mehr Herr des Geschehens."

Am 1. Juli wird Kirf sein Amt an einen Nachfolger übergeben. Der künftige Präsident der Handwerkskammer wird heute gewählt. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der Orthopädiemeister, CDU-Landtagsabgeordnete und Vizepräsident der Handwerkskammer Bernd Wegner.