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Leserbrief Donald Trump
Ein Handelskrieg rückt näher

 „Handelskriege sind gut und leicht zu gewinnen“, twitterte Donald Trump einst. Er hat seine Ankündigung wahr gemacht und nun Strafzölle auf den Import von Stahl- und Aluminiumprodukten eingeführt.

Noch wird in diesem Konflikt mit „Platzpatronen“ geschossen. Aber sollte Trump seine weitere Absicht ebenfalls umsetzen und hohe Zölle auf Autoimporte erheben, dürfte dies insbesondere die deutsche Wirtschaft schwer treffen. Das noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbare Szenario eines Handelskrieges zwischen den USA und Europa wird immer wahrscheinlicher. Es klingt wie das berühmte „Pfeifen im Wald“ und ist eher ein Ausdruck von Hilflosigkeit, wenn Wirtschaftsminister Altmaier glaubt, dass ein Handelskrieg die USA härter treffen könnte als die Europäer. Die USA sind die größte Wirtschaftsmacht der Welt. Wer die Macht hat, sitzt am Ende am längeren Hebel, wenn es um die Durchsetzung eigener Interessen geht. Die USA setzen dabei insbesondere auf die Bedeutung ihrer Währung. Kaum eine international tätige Bank kann auf Geschäfte in US-Dollar verzichten. Wer nicht pariert, bekommt den Bannstrahl der USA zu spüren. Sogar der Wirtschaftsgigant China hatte im Handelsstreit zunächst nachgegeben. Trump scheint auf die transatlantische Partnerschaft nicht viel Wert zu legen. Der einzige europäische Staatsmann, der ihn positiv beeinflussen könnte, ist Frankreichs Präsident Macron. Das Verhältnis zu Kanzlerin Merkel ist hingegen mehr als unterkühlt. Dabei schwärmte Trump vor seiner Kandidatur noch von Merkel und ihrer Führungskunst: „Deutschland lehnt sich still zurück, sammelt Geld ein und macht damit ein Vermögen“. Klingt so ein neidischer Immobilienmogul? Merkel jedenfalls fühlte sich geschmeichelt. Spätestens jedoch, als Trump sie wegen ihrer Flüchtlingspolitik als „geisteskrank“ bezeichnete, ist es vorbei mit den Sympathiebekundungen. Mittlerweile wurde öffentlich bekannt, dass Trumps Wahl für Merkel mit ein Grund für eine weitere Kanzlerkandidatur gewesen sein soll, wohl um als Retterin der freien Welt die freiheitliche internationale Ordnung zu verteidigen. Trump dürfte diese Selbstüberhebung der Kanzlerin nicht gefallen haben. Angesichts von Trumps Charakter ist es daher nicht auszuschließen, dass der Handelskrieger an der deutschen Kanzlerin ein Exempel statuieren möchte, wer am Ende „oben“ und wer „unten“ ist.


Alfred Kastner, Weiden (Oberpfalz)