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Ein Freund, der andere Wege geht

Mannheim. Nein, mit Yusuf, wie sich Cat Stevens seit 1977 nennt, ist es nicht wie mit einem guten Cognac, der mit zunehmenden Alter immer besser wird. Bei ihm ist es eher wie mit einem alten Freund, den man nach 35 Jahren wiedertrifft, und das Gefühl hat, als hätte man ihn erst gestern zum letzten Mal gesehen

Mannheim. Nein, mit Yusuf, wie sich Cat Stevens seit 1977 nennt, ist es nicht wie mit einem guten Cognac, der mit zunehmenden Alter immer besser wird. Bei ihm ist es eher wie mit einem alten Freund, den man nach 35 Jahren wiedertrifft, und das Gefühl hat, als hätte man ihn erst gestern zum letzten Mal gesehen. Aber noch viel mehr ist es auch eine große Erwartungshaltung, die man bei solchen Treffen hat und die Enttäuschung ist umso größer, wenn sich dieser Freund in eine völlig andere Richtung entwickelt hat. So oder ähnlich war bis nach der Pause die Atmosphäre in der fast ausverkauften SAP-Arena bei Yusufs letztem Deutschland-Konzert 2011.Das Gros des Publikums, im Durchschnitt 50 plus, erwartete irgendwie eine Art Best-Of-Kompilation, stattdessen gab es nur Comeback-Songs der jüngsten zwei Alben. Die Enttäuschung, auch nach der Pause nur kurz angespielte Töne der einstigen Gassenhauer und Unbekanntes aus einem geplanten Musical zu hören, war groß. Erst im letzten Drittel zeigte sich der noch drahtig wirkende und in Ehren ergraute "Yusuf" (62) gnädig und offerierte Hits wie "Morning Has Broken", "Moonshadow" oder "Wild World". Seine Stimme klang noch immer märchenhaft und zerbrechlich, sein Gitarrenspiel filigran und betörend, dennoch wirkte er ein wenig müde von sich selbst und gab damit seiner eigenen Vergänglichkeit einen melancholischen Klang.


Einstige Publikumslieblinge wie "Lady D'Arbanville" oder "Sad Lisa" ließ der ein bisschen wie ein Märchenerzähler aus 1001 Nacht wirkende Ex-Cat-Stevens außen vor. Knapp zwei Stunden dauerte die Zeitreise mit einem Freund, den man lange nicht sah. Man war froh, ihn getroffen zu haben und wohlauf zu wissen, aber auch zufrieden, den Weg wieder alleine fortzusetzen, weil man vielleicht nicht mehr so zueinander passt wie einst. gra