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Ein feuriges Finale

St Ingbert. Stefan Uhrmacher

Mit einer sonntäglichen "Gipsy-Night" hat sich das 29. St. Ingberter Jazzfestival verabschiedet. In der gut besuchten Stadthalle servierten der Roma-Geiger Roby Lakatos und sein Quartett eine zeitlose Mischung mit Noten von Django Reinhardt bis Miles Davis , mit Klassikern à la "The days of wine and roses" bis hin zu Latin-Schwingungen - nicht immer war hier ein Gipsy-Touch greifbar. Dass es Lakatos' Rhythmus-Mannen dabei abendfüllend anregend swingen ließen, verstand sich bei einem Ensemble dieser Güteklasse fast von selbst. Mit Biréli Lagrène stand zudem ein Star auf dem Podium, der unter Gitarrenfans einen geradezu legendären Ruf genießt. Besonders Lagrène hielt sich in Sachen Gipsy-Wurzeln bedeckt und frönte seinem modernistischen, auf Virtuosität ausgelegten Stil. Am stärksten war der Franzose dann, wenn er - leider viel zu selten - inmitten atemberaubend flinker Laufketten kurz innehielt und sich Ohrenfälliges einfallen ließ: ein paar Zitate oder markante Figurationen. Diese Momente vermisste man auch beim erst 17 Lenze zählenden Gastgitarrero Andreas Varady, der sonst in Sachen Hochgeschwindigkeitsspiel kaum von Lagrène zu unterscheiden war.

Mehr Gipsy-Flair steuerte Roby Lakatos selbst bei. Dennoch: Auch der "Teufelsgeiger" mit dem Operettenschopf hegte einen auf technische Brillanz ausgerichteten und nicht zuletzt von der Klassik beeinflussten Zugriff. Erkennungszeichen der verschnörkelten, mit Spielwitz gesegneten Lakatos-Handschrift waren gezupfte Tremoli-Ketten - da fühlte man sich in mediterrane Mandolinen-Nächte versetzt.

Eine zupackende Note verdankte die Gipsy-Nacht dem 20-jährigen Geiger Sandro Roy aus Augsburg. Roy strich beherzt jazzig und lockte Lakatos aus der Reserve: Feurige Duette der beiden zauberten eine Prise Puszta-Flairs in die Stadthalle, durch die Beifallswogen brandeten.