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Ein echter "Leuchtturm"

Meinung. Auch wenn die gestrige Entscheidung der Unesco, den Bliesgau zum Biosphären-Reservat zu erklären, nicht mehr wirklich überraschend kam: Einen Freudentag bescherte die Botschaft aus dem fernen Südkorea doch - nicht nur den sieben betroffenen Gemeinden, sondern dem ganzen Land Von Carlo Schmude

Auch wenn die gestrige Entscheidung der Unesco, den Bliesgau zum Biosphären-Reservat zu erklären, nicht mehr wirklich überraschend kam: Einen Freudentag bescherte die Botschaft aus dem fernen Südkorea doch - nicht nur den sieben betroffenen Gemeinden, sondern dem ganzen Land. Der Versuch, das durch Kohlegruben und Stahlschmieden verrußte Image des Landes aufzupolieren, ist bisher noch nicht großflächig gelungen - so sehr sich in der Vergangenheit Marketing-Fachleute und überregional bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft oder Kultur darum bemüht hatten. Noch immer geben sich vor Ort zu viele Gäste überrascht, wie grün und abwechslungsreich das Saarland ist. Diese Wissenslücke kann das Unesco-Prädikat schließen. Ein Biosphären-Reservat ist etwas ganz Besonderes. In Deutschland gibt es ganze 15, weltweit nur 553 davon - ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Zwar sind Wiesen und Wälder, Muschelkalk-Böden, Orchideengebiete, Streuobstwiesen und Bio-Bauernhöfe entgegen landläufiger Meinung nicht die alles entscheidenden Kriterien für ein Biosphären-Reservat. Aber die gestrige Botschaft an den Rest Deutschlands und die Welt ist eindeutig: Ein Land, das solche Naturschätze beherbergt, hat mehr zu bieten als Hochöfen und Schlackehalden.Während sich das Land als Ganzes über den kräftigen Schub zum Imagewandel freuen kann, bietet der Biosphären-Status für die Region Bliesgau große Chancen. Die 3,1 Millionen Euro, die über das Leader-Förderprogramm aus den Kassen der Europäischen Union und des Landes für verschiedene Projekte in das Biosphären-Reservat fließen, mögen ein leckerer Vorgeschmack auf das sein, was an öffentlicher Förderung möglich ist in St. Ingbert, Blieskastel, Mandelbachtal, Gersheim, Kleinblittersdorf, Kirkel und Teilen von Homburg. Eine Vorstellung von den touristischen und damit auch wirtschaftlichen Chancen für die Region Bliesgau mag ein Blick auf das benachbarte Biosphären-Reservat in Pfälzer Wald und Nordvogesen vermitteln. Diese schöne, aber strukturschwache Landschaft füllt sich am Wochenende mit (leider oft motorisierten) Besuchern.Die politisch Verantwortlichen in Umweltministerium und Biosphären-Zweckverband sind jetzt gefordert, zusammen mit Ehrenamtlichen die Chance beim Schopf zu packen - und das ohne Parteiengezänk. Das Desaster um die vom Arbeitsgericht gekippte Besetzung des Geschäftsführer-Postens beim Zweckverband mag als Mahnung genügen. Das Biosphären-Reservat braucht als "Leuchtturm" für das Saarland gutes professionelles Management.