Ein Boom-Jahr für die Windenergie-Branche

Berlin · Der Ausbau der Windenergie an Land hat sich im vergangenen Jahr in Deutschland – wenn auch mit geringerem Tempo als 2014 – fortgesetzt. Die Branche hat aber Zukunftssorgen.

Die Windenergie hat 2015 wieder einen Boom erlebt. Insgesamt trägt sie jetzt mit zwölf Prozent zum Stromverbrauch bei. 45 000 Megawatt Leistung sind installiert. Drei Mal so viel wie Atomkraftwerke. Jedoch erzeugen Windräder nicht so gleichmäßig Strom wie die atomaren oder fossilen Meiler.

Nach der Offshore-Industrie, die vor zwei Wochen ihre Zahlen präsentiert hatte, meldete sich gestern der Bundesverband Wind-Energie mit einer Bilanz für die Landseite zu Wort. Dort stehen jetzt rund 26 000 Windräder mit 41 650 Megawatt Leistung. Im vorigen Jahr kamen 1368 Anlagen mit 3730 Megawatt Leistung neu hinzu. Einige alte wurden abgebaut: Unter dem Strich blieb ein Zuwachs von 3535 Megawatt. Die Statistik zeigt, dass der technische Fortschritt anhält. So sind die Windräder erneut höher geworden, um sechs Prozent auf durchschnittlich 123 Meter Nabenhöhe. Die Rotorblätter haben einen Durchmesser von 105 Metern (plus sechs Prozent). Entsprechend ist auch die durchschnittliche Leistung angestiegen, auf 2,72 Megawatt (plus zwei Prozent).

Weitere Besonderheiten gibt es bei der regionalen Verteilung. Baden-Württemberg machte 2015 mit 144 Megawatt oder 52 neuen Windrädern einen Sprung nach vorn. Die Zahl hat sich gegenüber dem Vorjahr versiebenfacht - spätes Ergebnis des grün-roten Regierungswechsels im Jahr 2011. Zubau-Spitzenreiter ist weiterhin Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen eroberte Platz Zwei. 2015 war nach 2014 das zweitbeste Jahr überhaupt für die Branche, die aber mittelfristige Sorgen plagen. Sie möchte dauerhaft 4400 Megawatt pro Jahr errichten dürfen. Diese Pläne beißen sich aber mit den Vorgaben der Bundesregierung, 2500 Megawatt. "Unsere Branche verunsichert das sehr", sagte Verbandsgeschäftsführer Hermann Albers. Die Hersteller retten sich und die 150 000 Arbeitsplätze, die an dieser Energieform hängen, mit dem Export, der zwei Drittel des Umsatzes ausmacht.

Auch die gute Entwicklung auf See hilft. Hier war 2015 mit einem Zubau von fast 2300 Megawatt ein Jahr des Durchbruchs. Die Gesamtleistung der jetzt 792 Anlagen steigerte sich auf 3300 Megawatt.

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