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Serie Kunst im öffentlichen Raum
Ein Besuch bei der „Großen Gaia“

 Serie Kunst im öffentlichen Raum: Große Gaia, Moderne Galerie, 1984, Matschinsky-Denninghoff.
Serie Kunst im öffentlichen Raum: Große Gaia, Moderne Galerie, 1984, Matschinsky-Denninghoff. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Mit der Wiedereröffnung der Modernen Galerie ist auch die Stahlskulptur wieder an ihrem gewohnten Platz zurück.

Sie ist die Grande Dame der Skulpturen in Saarbrücken: die „Große Gaia“ des Künstlerpaares Matschinsky-Denninghoff. Das Kunstwerk steht direkt vor der Modernen Galerie.


Die 1984 entstandene und 1986 vom Museum erworbene Großplastik aus geschweißten Chromnickelstahl-Röhren ist ein Exponat des Museums, gehört zu dessen Skulpturengarten und daher nicht zum öffentlichen Raum. Die „Große Gaia“ gilt aber als eines der beliebtesten Kunstwerke in Saarbrücken und wurde lange Zeit im Stadtbild vermisst. Wegen der Umbauarbeiten des Museums musste die Plastik vor neun Jahren ihren angestammten Platz vor der Modernen Galerie verlassen. Erst im letzten September ist sie dorthin zurückgekehrt, und seither auch ein wenig ein Symbol für die Versöhnung der Saarbrücker mit ihrem wiedererstrahlten Museum.

1984 haben Martin Matschinsky und Brigitte Matschinsky-Denninghoff die Plastik erschaffen. Das Künstlerpaar  lernte sich 1952 kennen, arbeitete ab den 1960er Jahren zusammen an Großplastiken, wobei jede Skulptur ein unauflösbares Gemeinschaftswerk war. In Kiel, Hannover und insbesondere in Berlin sind weitere Skulpturen von ihnen im öffentlichen Raum zu sehen.



Die „Große Gaia“, die ihren Namen der Urmutter der griechischen und römischen Mythologie verdankt, wurde von dem Künstlerpaar geformt, indem sie zwei Stahlrohre zu elegant gewellten Bündeln zusammenschweißten. Die beiden Rohre verlaufen anfangs parallel, steigen vom Boden leicht an, umschlingen sich, verharren in der Horizontalen, um dann steil nach oben zu ragen.

Dabei beeindruckt, dass es dem Berliner Künstlerpaar gelungen ist, eine drei Meter hohe und 2,5 Tonnen schwere Skulptur leicht und bewegt erscheinen zu lassen. Das liegt auch an der Oberfläche der Großplastik aus silbrig glänzenden, dünnen Chromnickelstahl-Rohren, in denen sich das Tageslicht verfängt und bricht. Diese glänzende Oberfläche ist aber auch verletzlich. Die „Große Gaia“ musste bereits mehrfach renoviert werden, bereits 1997 vom Künstlerpaar selbst, im Jahr 2008 wurden wieder Schäden festgestellt, und auch bevor sie auf ihren angestammten Platz neben dem Eingang der Modernen Galerie zurückgesetzt wurde, wurde die Skulptur überarbeitet.

Einer der Gründe für die mehrfachen Beschädigungen ist, dass sie lange Zeit nicht nur als markanter Sichtpunkt diente, sondern vielen Kindern auch als Klettergerüst.

Dies wird bei der jetzigen Aufstellung wohl nicht mehr vorkommen, denn die „Große Gaia“ wird neuerdings von einer Abgrenzung umgeben und befindet sich zusätzlich auf einer Stahlplatte und einem niedrigen Betonsockel. Dieser Sockel wurde ursprünglich schon von dem Künstlerpaar Matschinsky-Denninghoff geplant. Nun ist er realisiert, und die „Große Gaia“ thront, lockt und strahlt erneut vor der Modernen Galerie in der Landeshauptstadt. Störend ist einzig der Lichtmast, der direkt vor die Großplastik gesetzt wurde.