Ein Adam kommt selten allein

Ein Adam kommt selten allein

Als Liedermacher und Chansonnier tritt Yann Loup Adam jetzt in die Fußstapfen seines Vaters Marcel Adam – und präsentiert ein bemerkenswert reifes Debüt-Album „carte de visite“. Am Freitag stellt er es in Saarbrücken vor.

Ganz der Papa: Mit 23 hört man das wohl nicht zwingend gern. Auch wenn's als Kompliment gemeint ist. So jung will man schließlich sein eigenes Ding machen. Doch vielleicht ist Yann Loup Adam da auch Kind einer Zeit, in der Rebellion keinen Wert mehr an sich darstellt. Stattdessen schaut man smart, was sich von der Mütter- und Vätergeneration übernehmen lässt - um es weiterzudrehen.

Seine erste CD, bezeichnenderweise "carte de visite" getauft, erweist sich jedenfalls zugleich als bemerkenswert reifes Debüt wie als unverkennbares Adam-Album. Nicht bloß, weil einige der 16 Lieder von Marcel Adam stammen, wie "né dehors" etwa. Der lothringische Liedermacher schrieb auch die Texte zu "boulevard du fleuve", "Ray Charles " und "yaourts à la fraise" (in Live- und einer anspruchsvollen Studioversion zu hören). Diese Titel dokumentieren auch das eingespielte Vater & Sohn-Gespann, denn Yann Loup komponierte die Musik dazu.

Sohn wie Vater sprechen mit ihren Chansons und Liedern in Französisch, Deutsch, Lothringer Platt - und der Filius zudem in Englisch - auch dasselbe Publikum an. "Ohne, dass wir uns Konkurrenz machen", betont Adam junior. Seit Jahren stehen sie bereits gemeinsam auf der Bühne, singen auf dem neuen Album, der Filius mit samtig frischer, der Senior mit von Erfahrung gegerbter Stimme, gar gemeinsam, und schreiben so auch "La maman du bébé", quasi adamsches Liedererbe, fort. Nach Feuer zwischen den Generation klingt das jedenfalls nicht. "Ich habe viel von meinem Papa übernommen", sagt Yann Loup. So habe er sich etwa abgeschaut, wie virtuos der Vater sein Publikum im Griff hat.

Und doch: Es gibt sie, die Grenzen. "Mein Vater hat sich nie eingemischt in mein Album", stellt Adam, der jüngere, klar. Und wer etwa "carte de visite" hört, ein wunderbares Gitarrenstück, ahnt zumindest, wohin Yann Loup sein Weg noch führen kann, wenn er sich mehr emanzipiert. Da steht dann eher ein Francis Cabrel Pate. Auch an anderer Stelle trennen sich die Wege: Der Vater machte die Kleinkunst zum Brotberuf. Yann Loup strebt aber nach Abitur und Baccalauréat am Deutsch-Französischen Gymnasium, einem Studium der Darstellenden Künste in Metz und nun einem Wirtschaftsstudium an der Berufsakademie des Saarlandes in andere Berufsfelder. Die Musik ist seine Leidenschaft - und soll es bleiben. Auch wenn er an "carte de visite" wie ein Profi gearbeitet hat, sich drei Jahre Zeit nahm und Spitzenmusiker aus der Region wie Michael Marx, Laurent Kremer, Joscho Stephan und Guido Allgaier dafür versammelte. Aber mal abwarten: Mit so einer Visitenkarte könnte die Musik ja vielleicht doch Berufung sein und Beruf werden.

Yann Loup Adam: "carte de visite", Leico.

Konzert am 10. Oktober, 20 Uhr, in der Bel Etage am Deutsch-Französischen Garten.