Eignungstest startet im Sommer

Eignungstest startet im Sommer

Weil Schul- und Berufsabschlüsse von Flüchtlingen häufig nicht sonderlich aussagekräftig sind, führt das Saarland einen Kompetenztest ein. Er soll die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtern.

Mit Hilfe eines wissenschaftlich fundierten Eignungstests sollen Flüchtlinge in der Landesaufnahmestelle ab Sommer schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden. Mit dem etwa drei Stunden dauernden Test solle herausgefunden werden, welche Fähigkeiten und Neigungen ein Flüchtling habe, erklärten Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Innenminister Klaus Bouillon (beide CDU ). Wenn der Flüchtling nach vier Wochen in Lebach auf eine Kommune verteilt wird, soll das zuständige Jobcenter anhand der Ergebnisse ein passendes Job-Angebot machen können. Beide Politiker stellten klar, dass dies kein "Intelligenztest" sei, wie Bouillon das Vorhaben in einem Interview genannt hatte. "Mehr als unglücklich" nannte der Innenminister gestern seine Wortwahl. Kramp-Karrenbauer erläuterte, einen Intelligenztest würde die Regierung nicht mittragen, da es keinen Grund zu der Annahme gebe, Flüchtlinge seien weniger intelligent als andere Menschen.

Seit März erfassen in der Landesaufnahmestelle sieben Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit (BA) zwar bereits die schulischen und beruflichen Abschlüsse der Flüchtlinge . Dabei habe sich jedoch gezeigt, dass diese rein formelle Betrachtung nicht immer hilfreich sei, so Kramp-Karrenbauer. Nötig sei daher eine "verfeinerte Diagnostik". Beim Eignungstest sollen daher unter anderem geprüft werden: Problemlösung, Konzentration, Bearbeitungsgeschwindigkeit, Kreativität, Motivation, Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Wissbegier, Selbstvertrauen, soziale Kompetenz, Kundenorientierung, berufliche Interessen, Deutschkenntnisse. Der Test sei auch für Analphabeten geeignet, so Bouillon . "Der Idealfall wäre: Die Fachleute fragen die Talente und Fähigkeiten ab - und dann können wir sagen: Sie sind geeignet als Bäcker, das ist ein Metzger, und der geht an die Uni", so Bouillon . Er erläuterte, der Test diene auch dazu herauszufinden, welche Tätigkeiten für die rund 84 Prozent der syrischen Flüchtlingsfrauen im Saarland infrage kommen, die keinen Berufsabschluss haben.

Mehrere Ministerien sind dabei, den Test mit externen Fachleuten zu konzipieren. Losgehen soll es in zweieinhalb bis drei Monaten. "Wir sind selbst gespannt, was bei diesem Versuch herauskommen wird", sagte Kramp-Karrenbauer. Das Saarland mit einer einzigen Erstaufnahme-Einrichtung und der engen Zusammenarbeit mit BA und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in einer "gemischten Behörde" in Lebach sei ein "ideales Testf eld".