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EIB-Chef Hoyer: Europa verliert an Konkurrenzfähigkeit

Saarbrücken. Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank, warnt davor, dass Europa bei der Innovationskraft an Boden verliert. Die Ausgaben für Forschung müssten spürbar erhöht werden. Lothar Warscheid

Auch wenn die europäische Schulden- und Finanzkrise in den Hintergrund gerückt ist, darf sich Europa nicht beruhigt zurücklehnen. "Denn die Europäer sind dabei, ihre Konkurrenzfähigkeit zu verlieren". Das sagte Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), bei einem Vortrag in Saarbrücken. Der Vorsprung Europas gegenüber anderen Regionen habe sich während der Krise "bedenklich verkleinert - das gilt sowohl für den Anteil am Welthandel als auch bei der Anzahl der Patente". Die Europäer müssten sich bei Forschung, Entwicklung sowie im Bildungsbereich gewaltig ins Zeug legen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) - gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) - "sind mit 1,9 Prozent einfach zu gering", meinte Hoyer. Europa müsse rund 140 Milliarden Euro pro Jahr mehr für F&E ausgeben, um das Defizit gegenüber anderen Teilen der Welt abzubauen. Auch die Infrastruktur als Grundlage künftiger Innovationen sei in Europa unterentwickelt, sagte der EIB-Chef. "Vordringlich ist, dass wir eine flächendeckende Breitband-Versorgung sicherstellen müssen". Der Netzausbau würde rund 200 Milliarden Euro kosten - " diese Investition müssen wir leisten".

Die EIB ist die Bank der Europäischen Union. Anteilseigner sind die Mitgliedsstaaten. Sie unterstützt unter anderem mittelständische Unternehmen mit günstigen Krediten, damit sie neue Jobs schaffen. Das neueste Instrument ist nach Hoyers Angaben die Absicherung der Exportfinanzierung, da es beispielsweise in Griechenland hierbei zu Engpässen gekommen sei.

Hoyer war Gast bei der Verleihung des Europa-Preises der Villa Lessing an Studierende des Europa-Instituts der Saar-Universität. Die vier Preisträger waren Vesna Ti{scaron}ler (Slowenien), Masami Inoue (Japan), Darren Harvey (Schottland) und Sebastian Lobner (Deutschland). Sie erhielten jeweils 1500 Euro.