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Ehemalige Bayern-LB-Vorstände weisen Schuld von sich

München. Wer trägt die Schuld für die verhängnisvolle Übernahme der Hypo Alpe Adria? Die ehemaligen Vorstände der Bayern-LB geben vor Gericht darauf eine einhellige Antwort: sie nicht. dpa

Alle angeklagten Ex-Vorstände der Bayern-LB haben eigenes Versagen beim Fehlkauf der österreichischen Skandalbank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) vehement abgestritten. Am zweiten Tag des Strafprozesses vor dem Landgericht München beteuerten fünf Angeklagte nacheinander ihre Unschuld. Den Auftakt hatten vor zwei Wochen bereits die ehemaligen Bankchefs Werner Schmidt und Michael Kemmer gemacht. Der gesamte Vorstand sei bei dem Kauf der Hypo Alpe Adria hochprofessionell und gewissenhaft vorgegangen, sagte gestern der frühere Risikovorstand Gerhard Gribkowsky: "Eine Maxime ,Kaufen um jeden Preis‘ bestand zu keinem Zeitpunkt."

Die Staatsanwaltschaft wirft den ehemaligen Top-Managern Untreue vor. Sie hätten die HGAA 2007 überteuert gekauft und die Kontrolleure der Bayerischen Landesbank (Bayern-LB) getäuscht, um als erfolgreiche Macher dazustehen. Aus dem Verwaltungsrat der Landesbank sei damals die Frage gekommen, ob der Vorstand denn "zu blöd" sei, eine Bank zu kaufen. Diese Bemerkung hätten die Angeklagten als Demütigung empfunden und seien sich daher einig gewesen, bei der Übernahme über Risiken hinwegzusehen.

Gribkowsky und Ex-Vorstand Rudolf Hanisch wehrten sich energisch gegen diese Darstellung. Die Vorstände seien keine dummen Buben gewesen, die sich demütigen ließen, sondern erfahrene Banker, sagte Gribkowsky, der bereits seit drei Jahren wegen der Annahme von 44 Millionen Euro Schmiergeld in Haft sitzt. Hanisch nannte die Anklage einseitig, unschlüssig und haltlos. "Warum sollte ich meiner Bank und meinem Land Schaden zufügen?", sagte Hanisch. Nur ein Jahr nach der Übernahme für 1,6 Milliarden Euro trieb die HGAA die Bayern-LB an den Rand des Ruins. Der Schaden für die Steuerzahler summierte sich nach dem Notverkauf an Österreich auf 3,7 Milliarden Euro. Der Kauf der HGAA habe damals große Chancen versprochen, sagte Gribkowsky. Inzwischen sei klar geworden, dass diese Einschätzung falsch war. Dies liege aber nicht an Fehlern oder Pflichtverletzungen der Vorstände, sondern in erster Linie an der Finanzkrise.