Edle Klänge, schlichte Einfalt

Edle Klänge, schlichte Einfalt

Salzburg. Wenn Riccardo Muti mit dieser Gluck-Oper in Salzburg ein bewusstes Statement gegen den Furor historischer Musizierweise bei vorklassischer Musik abgeben wollte, dann ist ihm das gelungen. Dabei steht er am Pult der eigentlich alles könnenden Wiener Philharmoniker

Salzburg. Wenn Riccardo Muti mit dieser Gluck-Oper in Salzburg ein bewusstes Statement gegen den Furor historischer Musizierweise bei vorklassischer Musik abgeben wollte, dann ist ihm das gelungen. Dabei steht er am Pult der eigentlich alles könnenden Wiener Philharmoniker. Und auf der Bühne die von ihm selbst ausgesuchte Elisabeth Kuhlmann als Orfeo, deren stimmliches Potenzial deutlich wird. Ihr zur Seite Genia Kühmeier, eine wirklich betörend überfließende Euridice. Ein quicklebendiger Amor von Christiane Karg führt die beiden am Ende dann doch wieder zusammen. Wenn sich Orfeo und Euridice im Duett aufeinander einlassen, gewinnt der Abend Momente emotionaler musikalischer Ausstrahlung, die berühren und über den allzu gleichförmigen und unverbindlichen Hochglanz hinauskommen. Ansonsten muss man wohl ein ausgemachter Muti-Bewunderer sein (von denen es in Salzburg genügend gibt), um diesen Gluckabend als eine musikalische Bereicherung zu empfinden, die über eine abgeklärte Draufsicht hinausgeht. Dazu passt immerhin die Ästhetik der Bühne: Das dramatischste ist da noch der Umgang mit der schwarzen Wand zum Publikum hin, wenn Ausstatter Jürgen Rose den Bühnenausschnitt zusammenschnurren lässt und wieder freigibt. Ansonsten hat er sich auf ein zusätzliches Portal und dezentes Alltagszivil beschränkt. Alles in netten Pastelltönen. In Dieter Dorns Regie herrscht edle Einfalt und extensive Rampe. Daran ändert auch der plötzliche Ausbruch von Ballettregie nichts, die zum choreografierten Panoptikum irdischen Beziehungsstresses in allen möglichen Varianten wird. Am Ende drehen sich die beiden in der Mitte, als wären sie die Krönung einer Hochzeitstorte. Trotz des Balletts zum Finale auf der Bühne und der Scheidungsrate im wirklichen Leben. Nicht nur für diese Pointe hätte man den Abend nicht gebraucht. jl