E-Auto Mia verkauft sich viel schlechter als erhofft

E-Auto Mia verkauft sich viel schlechter als erhofft

Merzig. Es würde mit Mia nicht einfach werden. Das war von Anfang an klar. Dass das Elektroauto am Markt aber so schwer vorankommt, hatte der Merziger Pharma-Unternehmer Edwin Kohl sicherlich nicht erwartet, als er 2010 in die E-Mobil-Sparte des insolventen französischen Karosserieherstellers Heuliez investierte. Vor einem Jahr hatte Kohl noch Optimismus ausgestrahlt

Merzig. Es würde mit Mia nicht einfach werden. Das war von Anfang an klar. Dass das Elektroauto am Markt aber so schwer vorankommt, hatte der Merziger Pharma-Unternehmer Edwin Kohl sicherlich nicht erwartet, als er 2010 in die E-Mobil-Sparte des insolventen französischen Karosserieherstellers Heuliez investierte. Vor einem Jahr hatte Kohl noch Optimismus ausgestrahlt. Die Serien-Produktion war einige Monate zuvor angelaufen. Mindestens 5000 Autos wolle Mia Electric 2012 verkaufen, hatte er verkündet. Doch "das Jahr lief nicht gut", räumt ein Unternehmenssprecher ein. In Frankreich fanden demnach 262 Wagen einen Käufer (2011: 274). In Deutschland setzte der Hersteller 51 Mia-Modelle ab (2011: 112). Insgesamt hat Mia Electric bis einschließlich Februar dieses Jahres nach eigenen Angaben nur 842 Autos verkauft.Das hat Folgen für das Werk im westfranzösischen Cerizay. Rund 220 Mitarbeiter beschäftigt Mia dort, es waren schon mal mehr als 300. Auch wird viel Kurzarbeit gemacht. Nach Gründen für die mageren Verkaufszahlen muss man nicht lange suchen. Das Vertriebsnetz ist klein, die Marke wenig bekannt. "Wir können ja nicht überall Autohäuser bauen", sagt der Firmensprecher. Im Gegensatz zu den etablierten Auto-Konzernen muss Neuling Mia den Vertrieb von Null aufbauen und kann den Absatz auch nicht wie die großen Autobauer mit millionenteuren Werbekampagnen befeuern. Wie mühsam der Aufbau des Vertriebs ist, zeigt das Beispiel Deutschland. Mit Partnern wie der Lautlos durch Deutschland GmbH kommt Mia bundesweit auf nicht einmal 20 Händler, wo Kunden das Auto anschauen und Probe fahren können. Und angesichts eines Listenpreises von 24 500 Euro für die dreisitzige Basisversion ist das Verkaufen eh nicht leicht. Ein Kleinwagen mit Benzinmotor ist für den halben Preis zu haben.

Der Verkauf leidet - neben der allgemeinen Autoabsatz-Krise in Europa - auch darunter, "dass die Elektromobilität kleingeredet wird", beklagt der Mia-Sprecher. Bis 2020 sollen eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen rollen. Von diesem politischen Ziel spricht heute kaum jemand. Gerade die großen deutschen Hersteller propagierten weiter konventionelle Antriebe. An einem Systemwechsel hätten sie kein Interesse, ja, seien sogar gegen eine staatliche Kaufprämie für E-Autos wie in Frankreich, schimpft der Mia-Sprecher. "Den Verbrauchern wird die Elektromobilität madiggemacht." So werde beispielsweise das Problem der beschränkten Reichweite von E-Autos aufgebauscht.

An Aufgeben denkt man bei Mia trotz der Widrigkeiten nicht. Edwin Kohl, der fast 90 Prozent der Mia-Anteile besitzt, halte an seinem Engagement fest, versichert der Firmensprecher. Jedoch suche das Unternehmen nach einem Partner.

Um den Verkauf zu steigern, soll das Vertriebsnetz weiter ausgebaut werden - in Westeuropa und darüber hinaus. Im Vertrieb will der Autobauer vor allem auf öffentliche und gewerbliche Betriebe zugehen. Mia erhofft sich dort Erfolge, wo Ökoziele für Fahrzeugflotten erfüllt werden müssen oder in Servicebetrieben die Reichweite von Autos kaum eine Rolle spielt. In Frankreich hat die öffentliche Verwaltung nach Unternehmensangaben signalisiert, in den kommenden drei Jahren 500 Mias anschaffen zu wollen.

Auch will Mia das Auto weiterentwickeln und so Nachteile gegenüber Wagen mit klassischem Verbrennungsmotor vermindern. Noch in diesem Jahr ist dem Sprecher zufolge ein "froststabiles E-Auto" marktreif, bei dem die Batterie bei Kälte ihre Leistung besser als bislang behält. Zudem soll es ein Modell mit einer besonders verbrauchsarmen Klimaanlage geben. 2015 soll dann ein Mia mit Brennstoffzelle folgen - mit einer Reichweite von 500 Kilometern.

Meinung

Der Kleine hat's schwer

Von SZ-RedakteurVolker Meyer zu Tittingdorf

Mia Electric ist so manchem großen Autobauer voraus. VW zum Beispiel. Der Mia läuft seit Ende 2011 vom Band, die E-Version des VW Up kommt erst Ende 2013. Doch konnte der Mittelständler den Vorsprung nicht in Verkaufserfolge ummünzen. Es fehlt eben ein schlagkräftiger Vertrieb. Vielleicht wäre der Absatz besser gelaufen, wenn die allgemeine Elektroauto-Euphorie nicht so schnell verflogen wäre. Mia bekam aber die Marktmacht der Großen schmerzlich zu spüren. Für Mia Electric stellt sich nun die Frage, wie es weitergehen kann. Es ist kaum vorstellbar, dass sich das Unternehmen aus eigener Kraft gegen die großen Konzerne einen Platz in der Nische des E-Auto-Markts erobern kann. Mia Electric wird einen starken Partner brauchen - und zwar bald.