Du bist nicht so gut für mich

Du bist nicht so gut für mich

Saarbrücken. Sie hießen Hubert Kah, Markus oder Fräulein Menke und sangen von Knutschflecken, Sternenhimmeln oder kleinen Taschenlampen. Mit Minimalismus-Pop und deutschen Texten besetzten die Vertreter der Neuen Deutschen Welle Anfang der 80er die Hitparade. Dann ebbte die Welle wieder ab

Saarbrücken. Sie hießen Hubert Kah, Markus oder Fräulein Menke und sangen von Knutschflecken, Sternenhimmeln oder kleinen Taschenlampen. Mit Minimalismus-Pop und deutschen Texten besetzten die Vertreter der Neuen Deutschen Welle Anfang der 80er die Hitparade. Dann ebbte die Welle wieder ab. Manche NDW-Protagonisten zogen sich ins Private zurück, andere machen ohne Erfolge noch bis heute Musik.

Auch Gabriele Susanne Kerner, besser bekannt als Nena, drohte ein ähnliches Schicksal: Sie fand irgendwann in den Charts kaum mehr statt, hat sich als Moderatorin versucht und Kinderlieder aufgenommen, bis ihr 2002 mit aufpolierten Hits auf "Nena feat. Nena" ein überraschendes Comeback gelang. Mit "Made in Germany", ihrem ersten Popalbum nach vier Jahren Studioabstinenz, will die 49-Jährige daran anknüpfen - mit berufsjugendlicher Faltenfreiheit, neuer Kurzhaarfrisur und unverkennbarer Stimme.

Auch musikalisch gibt es auf dem mit Hilfe von Uwe Fahrenkrog-Petersen, ihrem alten Wegbegleiter seit "99 Luftballons"-Tagen, eingespielten Longplayer nichts Überraschendes: Die 13 Pop-Rock-Elektro-Dance-Gitarren-Verquirlungen sind schlicht gebaut und auf radiotaugliche Eingängigkeit getrimmt. In Songs wie "SchönSchönSchön" lässt es Nena vielleicht mal etwas rockender scheppern als sonst, während "Du bist so gut für mich" sehr nach 2raumwohnung, fusioniert mit NDW-Soundresten, klingt. Im angespaced verzerrten "Hyperaktiv" nimmt die Mutti, Bald-Oma und Gründerin einer umstrittenen Hamburger Gesamtschule, die Perspektive eines hyperaktiven Kindes ein, das noch nicht mit Ritalin stillgelegt wurde. Zwischendurch driftet die Neu-Anhängerin des indischen Bhagwan-Gurus Osho leicht ins Esoterische.

Wenn Nena das Tempo rausnimmt, fängt sie gern an zu grübeln. Mal versucht sie, das Leben mit einer Zugmetapher zu begreifen. Mal singt sie Sachen wie "Ich will nicht arm sein und Geld macht mich nicht reich" - und wirkt dabei stets völlig schmerzfrei bei sich selbst und furchtlos vor optimistischen Sinnier-Naivitäten. Dabei ist es in den meisten Stücken einmal mehr die Liebe, die für Nena alles zusammenhält. Und der Song "Made in Germany" eine Konsensumarmung des Landes, in dem sie seit fast 30 Jahren immer noch Nena immer noch Nena immer noch Nena ist. ret

Nena: Made in Germany (Tonpool).