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Drei Angebote für Opel

Berlin. Im Ringen um die Rettung des angeschlagenen Autoherstellers Opel liegen die Karten auf dem Tisch. Mit dem Autobauer Fiat, dem Zulieferer Magna und dem Finanzinvestor Ripplewood haben am Mittwoch drei mögliche Opel-Käufer Angebote bei der Bundesregierung und der Opel-Mutter General Motors (GM) vorgelegt. Einzelheiten wollte ein Sprecher der GM-Europazentrale nicht mitteilen

Berlin. Im Ringen um die Rettung des angeschlagenen Autoherstellers Opel liegen die Karten auf dem Tisch. Mit dem Autobauer Fiat, dem Zulieferer Magna und dem Finanzinvestor Ripplewood haben am Mittwoch drei mögliche Opel-Käufer Angebote bei der Bundesregierung und der Opel-Mutter General Motors (GM) vorgelegt. Einzelheiten wollte ein Sprecher der GM-Europazentrale nicht mitteilen. Nach Informationen von "Spiegel Online" favorisiert die GM-Spitze in Detroit den kanadisch-österreichischen Magna-Konzern, während Fiat demnach nur auf Platz drei liegt. In Berlin arbeitet die Opel-Arbeitsgruppe der Bundesregierung jetzt an der Sichtung der vorgelegten Konzepte. Sie müssen sehr rasch geprüft werden. Denn schon Ende des Monats könnte GM in den USA Insolvenz anmelden. Die Bundesregierung will Opel mit einem Treuhandmodell aus dem Insolvenzstrudel des Mutterkonzerns heraushalten. Grundsätzlich entscheiden der ums Überleben kämpfende GM-Konzern sowie die US-Regierung über einen Einstieg von Investoren. Da der Bund aber Bürgschaften für die Finanzierung einer Beteiligung geben soll, werden die Konzepte auch in Berlin geprüft. Nach "Bild"-Informationen verlangt Magna Bürgschaften von rund fünf Milliarden Euro, Ripplewood taxiere den abzudeckenden Kreditbedarf auf unter fünf Milliarden Euro; die höchsten Staatsgarantien verlangt demnach Fiat mit rund sieben Milliarden Euro. Um Stellenstreichungen wird Opel bei keinem der Konzepte herumkommen: Fiat will angeblich im Falle eines Einstiegs bei Opel europaweit insgesamt 18 000 Stellen streichen, auch in Fiat-Werken. Magna plane den Abbau von rund 10 000 Stellen. Auch das Ripplewood-Konzept sehe Stellenstreichungen in der Größenordnung vor. Unterdessen arbeiten die Beschäftigten an einer Notlösung, sollte die Übernahme durch Fiat, Magna oder den Finanzinvestor Ripplewood scheitern. "Wenn alle Stricke reißen, würden die Arbeitnehmer und die Händler von Opel eine gemeinsame Offerte vorlegen", sagte Betriebsratschef Klaus Franz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Summe könnte bei 1,5 Milliarden Euro liegen. Davon entfielen eine Milliarde Euro auf einen Lohnverzicht der Beschäftigten und weitere 500 Millionen Euro auf den Rettungsfonds der Opel-Händler. GM-Europachef Carl-Peter Forster sagte der Zeitschrift "Auto, Motor und Sport", dass Opel auch im Fall der Insolvenz von GM weiter arbeiten könne und Zugriff auf alle Technologien behalte. Um die Zeit zu überbrücken, bis ein Investor gefunden ist, brauche das Unternehmen "sicher eine Kreditlinie". Der Bund, die Länder mit Opel-Standorten und staatliche Banken haben sich am Dienstagabend auf eine Brückenfinanzierung über 1,5 Milliarden Euro verständigt, die Opel Zeit für weitere Verhandlungen mit Investoren verschaffen solle. dpaMeinung


Zu viel Bedenkenlosigkeit



Von SZ-RedakteurVolker Meyer zu Tittingdorf Wer erinnert sich noch? Vor Wochen äußerte sich die Kanzlerin in punkto Staatshilfen für Opel. Zuerst müsse ein tragfähiges Konzept vorliegen und Klarheit über die Zukunft von General Motors herrschen. Inzwischen sind die Bedenken - leider - von gestern. Geprüft wird nicht mehr, ob der Staat hilft, sondern nur noch, wie viele Milliarden er an wen herausrückt. Vor den Wahlen fürchten die Politiker eine Groß-Insolvenz mit 25 000 betroffenen Arbeitnehmern wie der Teufel das Weihwasser. Dabei müssen Merkel, Guttenberg und Co. doch wissen, dass ein Insolvenzverfahren auf eine Fortführung des Unternehmens zielt. Und sie sollten befürchten, dass die Opel-Interessenten womöglich nur scharf auf die Milliarden aus Berlin sind. Zu erinnern ist auch an den Fall Holtzmann: Die Staatshilfe für den Baukonzern war vergebens und damit vergeudet.