Drehscheibe mit Ausbau-Potenzial

Drehscheibe mit Ausbau-Potenzial

Saarbrücken. "Per Auto, Bahn oder Flugzeug - das Saarland liegt zentral im Herzen Europas", heißt es in einer Werbebroschüre des Saarlandes. Die Lage scheint die Trumpfkarte des kleinsten Flächenbundeslandes zu sein

Saarbrücken. "Per Auto, Bahn oder Flugzeug - das Saarland liegt zentral im Herzen Europas", heißt es in einer Werbebroschüre des Saarlandes. Die Lage scheint die Trumpfkarte des kleinsten Flächenbundeslandes zu sein. Auch wenn es um eine Branche geht, die zu den wichtigsten der Exportnation Deutschland zählt: Logistik, also die Planung, Organisation, Steuerung, und Abwicklung von Material- und Warenflüssen. So betont das jahrelang CDU-, jetzt FDP-geführte Wirtschaftsministerium gerne die Rolle des Saarlands als "wichtiger Logistikdrehscheibe", deren Attraktivität für Firmen man weiter fördern wolle. Unter dem Titel "Logistikinitiative Saarland" ist daher unter anderem eine Datenerhebung in Auftrag gegeben worden, die einen Überblick über alle Logistikaktivitäten im Land geben soll - vom Umfang der Lager-Flächen bis zum Qualifizierungsgrad der Fachkräfte. Bis Juni 2011 läuft das Projekt. Man stehe aber noch ganz am Anfang, heißt es. Doch auch jetzt schon ist eines ganz klar: Das Saarland hat keine internationalen Frachthäfen wie Bremen und Hamburg, kein Luftfahrt-Drehkreuz wie das Rhein-Main-Gebiet und kann daher mit diesen großen Logistik-Regionen nicht konkurrieren. "Tor zu Westeuropa"Die Fraunhofer Arbeitsgruppe für Technologien der Logistik-Dienstleistungswirtschaft (ATL) in Nürnberg hat die Attraktivität einzelner Regionen für Logistikunternehmen untersucht. Das Ergebnis: Auch wenn das Saarland mit Hamburg nicht mithalten kann, zählt es doch zu den 18 deutschen Top-Standorten. "Das Saarland ist das Tor zu Westeuropa", sagt Studienleiter Alexander Nehm. Es sei besonders für Unternehmen attraktiv, die im Import und Vertrieb nach Westeuropa tätig seien, wegen seiner hohen Industriedichte aber auch für Firmen, die in Lagerhallen und Container-Terminals investierten und auf mehrere langfristige Aufträge angewiesen seien. Weitere Pluspunkte seien das dichte Autobahnnetz und die günstigen Baulandpreise. "Schwach ist das Saarland im regionalen Vertrieb", so Nehm, da es kein Ballungsraum sei. Negativ sei auch die Lohn-Konkurrenz durch Lothringen. Solche Struktur-Faktoren ließen sich nicht ändern. Daher müsse das Saarland vor allem in sogenannte "Management"-Faktoren wie die Vermarktung und in die Infrastruktur investieren. Das sieht Adrian Klein von der Regionalgruppe Saarland der Bundesvereinigung Logistik ähnlich. Sein Verein hatte zusammen mit weiteren Verbänden und dem Wirtschaftsministerium schon 2007 eine Innovationsstrategie für den Logistik-Standort Saar ausgearbeitet. Zweieinhalb Jahre später sind einige Forderungen wie der Bau der B 269, die die A 620 bei Ensdorf ans französische Autobahnnetz anbindet, so gut wie umgesetzt. Andere, wie der komplett vierspurige Ausbau der A 8 nach Luxemburg noch in weiter Ferne. Ebenso wie die Forderung nach einem Logistik-Studiengang, der vor Ort den notwendigen Fachkräfte-Nachwuchs sichern könnte. Probleme für den Logistik- und gesamten Wirtschaftsstandort sieht Klein auch bei den "weichen Faktoren". Das Saarland sei als Lebensmittelpunkt zu unattraktiv. Vor allem das Schulsystem habe einen so schlechten Ruf, dass qualifizierte Führungskräfte den Umzug mit Familie ins Saarland mieden, so Klein. Dies ist Wasser auf die Mühlen der SPD, deren verkehrspolitische Sprecherin Anke Rehlinger sich ähnlich äußert. Sie habe außer dem "Schönreden des Standortes" bei der CDU ohnehin nicht viel Initiative im Bereich Logistik erkennen können. Handlungsbedarf sieht sie unter anderem bei der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, dem Ausbau der Moselschleusen und einer landesweiten Verlegung von schnellen Datenleitungen. Denn auch SPD-Politikerin Rehlinger ist überzeugt: "Der Logistiksektor birgt im Saarland noch enorme Chancen".

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