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Draußen vor dem Fenster

Zwei Fensterbilder von Aloys Ohlmann: Das rechte zeigt Baltersweiler, die Heimat des Künstlers. Fotos: Maria Ohlmann
Zwei Fensterbilder von Aloys Ohlmann: Das rechte zeigt Baltersweiler, die Heimat des Künstlers. Fotos: Maria Ohlmann
Wadern. 36 Fensterbilder malte der Künstler Aloys Ohlmann als Referenz an den Kollegen Oskar Schlemmer. Ausgestellt waren die Werke nie – bis jetzt. Brigitte Quack

Als Aloys Ohlmann im Jahr 1991 ein Büchlein mit Oskar Schlemmers Fensterbildern geschenkt bekam, war das der Anlass für eine Aquarell-Serie mit dem gleichen Titel. Doch der 1938 geborene Künstler verdoppelte die Anzahl der Werke, so dass nun in Schloss Dagstuhl in Wadern statt der Schlemmerschen 18 stolze 36 Blätter zu sehen sind. "Damit erhoffte er sich, doppelt so alt zu werden wie Schlemmer", erzählt seine Witwe Maria traurig. Der Wunsch blieb unterfüllt, im vergangenen Jahr ist Aloys Ohlmann gestorben. Dennoch ist er mit 75 Jahren viele Jahre älter geworden als sein berühmter Ideengeber, der ein Jahr nach der Fertigstellung dieser letzten Werkgruppe mit 53 Jahren starb.

Ohlmann war ein Streiter für eine bessere Welt, ein politisch engagierter Künstler, der seine Werke in entfernten Ländern ebenso präsentierte wie in der saarländischen Heimat. Nur die Fensterbilder waren noch nie zu sehen. Sie zeigen den kritischen Künstler als einen Mann der leisen Töne, der den Aquarellpinsel vielfach wie einen Zeichenstift benutzt. Mit fein gezeichneten Linien gibt er seinen Visionen Kontur. Er deutet Fensterrahmen an und eine bisweilen surreale Dingwelt, die auf emotionales und geistiges Erleben ausgerichtet ist. Dabei ist manches verschlüsselt, ab und an auch ein wenig verwaschen, es entzieht sich einer klaren Deutung. In andern Blättern hingegen lässt er seine Linien Formen der eigenen realen Lebensumwelt umreißen. Etwa die Häuser von Baltersweiler, wo der Absolvent der früheren Saarbrücker Werkkunstschule sein Leben verbrachte. Oder den Mann mit dem Hut, den man sogleich als den legendären Sozialplastiker Joseph Beuys erkennen kann: Ihn durfte er in den siebziger Jahren mehrmals als seinen Gast begrüßen.

Alles in allem ist es eine schöne Ausstellung, die Ohlmann zur Ehre reicht und mit zwei weiteren, auf Rot-Gelb aufbauenden Ölgemälden auf ein weiteres, ähnlich visionäres Schaffensgebiet verweist.

Aloys Ohlmann: Fensterbilder. Hommage à Oskar Schlemmer. Bis zum 5. Mai. Schloss Dagstuhl, Wadern. Mo-Do 8-16 Uhr, Fr 9-14 Uhr.

Tel. (0 68 71) 90 50.